Zurück in der alten Welt – Barcelona

Mit gemischten Gefühlen waren wir in Lima ins Flugzeug gestiegen. Ein erster Teil unserer Reise ging zu Ende, eigentlich gäbe es in Südamerika noch so viel zu entdecken. Locker hätten wir weitere 5 Monate dort verbringen können. In Barcelona jedoch reihte sich ein Highlight ans andere und liess uns keine Zeit für wehmütige Rückblicke; oder viel Schlaf!

IMG_20150507_035047
Aus der Vogelperspektive konnten wir einen ersten Überblick über Barcelona gewinnen

Von Westen kommend überflog unsere Maschine von American Airlines die Stadt und drehte dann noch eine extra Runde über dem Meer um uns einen guten, ersten Eindruck zu verschaffen.
Nach der Landung waren wir dank dem komfortablen Aerobus schnell in der Stadt. Geri nahm uns in Empfang; wir durften uns freundlicherweise für einige Tage bei ihm und Ste auf dem Bettsofa einquartieren. In den darauffolgenden Tagen liesen wir uns von ihnen die besten Bars und Biere von Barcelona zeigen. Für die beiden war dies anstrengend, weil sie am Morgen jeweils zur Arbeit mussten, während wir nach dem Ausschlafen nur etwas ziellos durch die Stadt wanderten.

Übers Wochenende fuhren wir nach Organyá zum Fliegen. Organyá ist vor allem bei Akropiloten beliebt weil man im Talwind, der auf den Hang trifft leicht Höhe machen kann und so stundenlang mit genug Sicherheitshöhe trainieren kann. Unsere KEAs sind ja eigentlich nicht für Akro Manöver konzipiert, machten aber klaglos Spiralen, Wingover und Full Stalls mit. Die restliche Zeit nutzten wir für einen kleinen Streckenflug in einem Seitental. Stundenlang in relativ ruhiger Luft zu Fliegen; auch auf Strecke immer eine Strasse und ein Landefeld in Sicht; was für eine willkommene Abwechslung zu den oft sehr anspruchsvollen Flugbedingungen und Geländesituationen in Südamerika

Angenehmerweise fiel Moritz‘ 30. Geburtstag genau auf Christi Himmelfahrt. Freunde und Familie zuhause hatten alle ein langes Wochenende frei und weil sie die Besten sind, fanden erfreulich viele den Weg nach Barcelona um mit uns zu Feiern. Tahi hatte uns als Basis, über Airbnb, eine luxuriöse Wohnung mitten in der Stadt organisiert. Die Wohnung war perfekt für ausgedehnte Aperos vor dem richtigen Nachtessen; 16 Leute passten gut an den Tisch.
Wer mochte, ging tagsüber etwas die Stadt besichtigen; es gibt so viel zu sehen in Barcelona. Mehr Infos zu den Sehenswürdigkeiten folgen in einem späteren Post.
Den Freitagabend begannen wir in einer Tapas Bar. Mit 23 Leuten füllten wir das Obergeschoss. Schnell wurde es laut und ausgelassen, bis wir gegen Mitternacht gebeten wurden die Party woanders weiterzufeiern weil die Nachbarn alle schon reklamierten. Also machten wir uns auf zur Plaza Rejal und zur Rambla um die beste Party zu finden. Um Mitternacht ist allerdings noch nicht viel los in den Clubs. Zum Glück konnten wir als grosse Gruppe jede Tanzfläche füllen und die Party in Schwung bringen. Erst spät machten sich die letzten auf nach Hause. Es wird gemunkelt, dass einige sich in den frühen Morgenstunden noch zum Nacktbaden an den Strand aufmachten.

Waren die zwei bisherigen Abende vor allem wegen der guten Gesellschaft ein voller Erfolg, wartete der Samstag mit einem Partytechnischen Leckerbissen auf. In einem Innenhof im altertümlichen Poble Espanyol gelegen, bietet der Club La Terrazza eine einmalige Atmosphäre. Der Dancefloor liegt unter freiem Himmel und ist von Palmen gesäumt. Dazu coole elektro Musik und eine motivierte Menge. Was will man mehr? Mit grossen Schritten lief uns die Zeit in dieser Nacht davon.

Einige hatten ihren Rückflug für Sonntag Morgen früh gebucht. Nach der Rückkehr aus dem Club genossen wir alle zusammen ein gutes Frühstück und dann verabschiedeten wir uns voneinander. In den nächsten zwei Tagen mussten wir uns Schritt für Schritt von allen Besuchern verabschieden. Zum Glück dauert es nicht lange bis wir sie in der Schweiz wieder besuchen können.

In den darauf folgenden Tagen konnten wir unser mini Campingmobil abholen. Einen nigelnagelneuen Peugeot 208 den wir in den nächsten 4 Monaten von Barcelona nach München befördern werden. Natürlich mit möglichst vielen Umwegen durch die schönsten Fluggebiete. Erste Bedenken, dass all unser Gepäck nie und nimmer in diesem kleinen Wagen verstaut werden könne, bewarheiteten sich zum Glück nicht. Gut gepackt liess sich sogar alles im Kofferraum verstauen. Ein richtiges kleines Raumwunder. So konnte unser Europa Roadtrip losgehen.

Reisekosten für unsere Südamerikareise

IMG_20141226_081744
„Wow, ihr müsst sicher richtig viel Kohle haben, wenn ihr so lange reisen könnt.“ Dieser Reaktion sind wir in letzter Zeit oft begegnet. Wir erklären dann immer gerne, dass es einen grossen Unterschied darstellt, ob man drei Wochen Ferien im Ausland macht oder als Langzeittraveller unterwegs ist. Schon alleine die Kosten für einen Flug fallen weniger ins Gewicht, wenn man den Betrag durch mehrere Monate aufteilen kann. Hinzu kommt, dass wir zu Hause keine Fixkosten wie Miete mehr bezahlen müssen, da wir unsere Wohnung aufgelöst haben und die verbleibenden Sachen freundlicherweise bei Freunden und Familie unterstellen durften. Unser Ziel war es nicht mit dem möglichen Minimum zu reisen sondern wir wollten uns auch die eine oder andere touristische Aktivität leisten können.
Wir zeigen euch im Folgenden gerne auf, wie viel uns unser fünfeinhalbmonatiger Aufenthalt in Südamerika gekostet hat. Die Reise ist danach nicht fertig, also werden wir hier nach jeder abgeschlossenen Etappe wieder Bilanz ziehen.
Genug der Einleitung, hier kommen die nackten Fakten.


Alle Ausgaben werden pro Person angegeben.

Kosten vor der Reise

Einmalkosten

Ausrüstung inkl. Laptop, Kamera, Kleider, usw: ca. 1850.- SFr
Impfungen, Medis inkl. Beratung im Tropeninstitut: ca. 200.- SFr

Total: 2050.- SFr

Versicherungen

Abgeschlossen für 14 Monate

Hanse Merkur Reiseversicherung*:
Reise-Krankenversicherung ohne Selbstbehalt (inkl. USA/Kanada): 1028.- SFr = ca. 73.50 SFr/Monat
Notfall-Versicherung Reise-Unfallversicherung (inkl. Diebstahl): 262.- SFr = ca. 18.70 SFr/Monat

Zwischentotal: 1290.- SFr für 14 Monate = 92.20 SFr/Monat

Abgeschlossen für 12 Monate

Rega: 30.- SFr = 2.50 SFr/Monat
Paraplegikerstiftung: 45.- SFr = 3.75 SFr/Monat
SHV: 175.- SFr = ca. 14.60 SFr/Monat

Zwischentotal: 250.- SFr für 12 Monate = ca. 20.85 SFr/Monat

Abgeschlossen für 6 Monate

Abredeversicherung SUVA: 270.- SFr = 45.- SFr/Monat

Abgeschlossen mit monatlichen Raten

InReach: ca. 23.45 SFr/Monat

Total Versicherungen: 907.50 SFr für die 5 Monate* Südamerika = 181.50 SFr/Monat = ca. 5.45 SFr/Tag

*für den halben Monat November waren wir noch bei unseren alten Versicherungen versichert, deshalb beginnt die Rechnung für die Versicherungen erst am 1. des Folgemonats.

Flug

Multistopp-Flug mit American Airlines: 1060.90 SFr = ca. 6.35 SFr/ Tag Aufenthalt
(Hinflug: Zürich-Buenos Aires via New York und Miami. Stopp-Over in Miami um 9 Tage verlängert.
Rückflug: Lima-Barcelona)

Laufende Kosten

Argentinien

Dauer Aufenthalt: 52 Tage
Kosten für Aufenthaltsdauer: 1724.10 SFr
Kosten pro Tag: ca.33.15 SFr

Wie wir gelebt haben

Wir haben sehr lange Busfahrten gemacht, meistens >15 Stunden. Diese waren relativ teuer aber immer noch günstiger als Fliegen. Die Busse sind sehr bequem.

Wir haben versucht ausschliesslich von den in Amerika und Chile abgehobenen Dollar zu leben und vom Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt zu profitieren. Dies ergab einen um etwa 50% besseren Kurs. 

Übernachtet haben wir entweder in Hostels, meist im Mehrbettzimmer, oder auf einem Campingplatz. Über Neujahr durften wir bei Bekannten übernachten.

Wir haben mehrheitlich selbst gekocht, sind aber auch ab und zu auswärts Essen gegangen.

In Puerto Madryn haben wir einen geführten Ausflug gemacht. Ansonsten sind wir vorwiegend gewandert oder mit dem Gleitschirm fliegen gegangen.

Reisekosten Chile

Dauer Aufenthalt: 48 Tage
Kosten für Aufenthaltsdauer: 1457.90 SFr
Kosten pro Tag: ca. 30.40 SFr

Wie wir gelebt haben

Die Busfahrten in Chile waren nicht ganz so lange, wie in Argentinien und daher auch günstiger.

Übernachtet haben wir entweder in Hostels, meist im Mehrbettzimmer, oder auf Campingplätzen. In Santiago durften wir bei Bekannten übernachten.

Wir haben fast ausschliesslich selbst gekocht, auswärts Essen waren wir nur einige Male.

Ganz im Süden Chiles sind wir während acht Tagen durch den Torres del Paine Nationalpark gewandert. Dies hat unsere Reisekasse recht geschont, da wir das Essen vorgängig eingekauft hatten und unsere Campingausrüstung eh dabei hatten. In Pucon haben wir mit einer geführten Tour den Vulkan Villarica bestiegen. Ansonsten sind wir vorwiegend gewandert oder mit dem Gleitschirm fliegen gegangen.

Reisekosten Bolivien

Dauer Aufenthalt: 30 Tage
Kosten für Aufenthaltsdauer: 1012.70 SFr
Kosten pro Tag: 33.75 SFr

Wie wir gelebt haben

Wir haben alle Strecken mit dem Bus oder Minivan zurückgelegt. Die Fahrten dauerten zwischen 4 und >20 Stunden. Die Fahrtpreise waren sehr günstig, wir haben aber nicht immer die billigste Gesellschaft genommen. Die Busse waren manchmal top und manchmal der reinste Horror.

Übernachtet haben wir ausser auf geführten Touren in Hostels, oft im Mehrbettzimmer. Manchmal haben wir uns auch ein Doppelzimmer in einem Hostel gegönnt, der Preisunterschied zum Dorm war nur gering.

Das Essen in Restaurants und an Strassenständen war so günstig, dass wir etwa zur Hälfte auswärts gegessen und selber gekocht haben.

Wir haben verhältismässig viele geführte Touren und Ausflüge mitgemacht: Salar de Uyuni, Serere Reservat im Amazonasbecken, Maragua Krater, Torotoro Nationalpark. Verglichen mit anderen Ländern sind die Touren in Bolivien, die Dschungelexpeditionen im Besonderen, sehr günstig. Dies führte dazu, dass uns Bolivien gemessen an den sonstigen Lebenskosten teurer gekommen ist, als andere Länder. Fliegen waren wir nur ein paar Mal, da das Wetter nicht immer mitspielte.

Reisekosten Peru

Dauer Aufenthalt: 37 Tage
Kosten für Aufenthaltsdauer: 797.30 SFr
Kosten pro Tag: 21.55 SFr

Wie wir gelebt haben

Nachdem wir viele Schauergeschichten über das Busfahren (und vor allem Unfälle) in Peru gehört hatten, entschieden wir uns auf den langen Übernachtfahrten für die Luxusbusse von Exclusiva der Gesellschaft CIVA. Die restlichen Fahrten haben wir mit den günstigsten Gesellschaften oder Minivans zurückgelegt.

Übernachtet haben wir in Hostels, oft im Mehrbettzimmer. Manchmal haben wir uns auch ein Doppelzimmer in einem Hostel gegönnt, der Preisunterschied zum Dorm war nur gering. Eine Übernachtung im Luxushotel in Cusco hat Eli von ihrer Schwester zum Geburtstag geschenkt erhalten.

Das Essen in Restaurants und an Strassenständen war so günstig, dass wir etwa zur Hälfte auswärts gegessen und selber gekocht haben.

Wir haben keine geführten Touren gemcht, da diese verhältnismässig teuer waren. Die meisten Touristenattraktionen lassen sich auch ungeführt besuchen.

Während zehn Tagen sind wir von Cachora nach Machu Picchu getrekkt. Da wir das meiste Essen bereits vor dem Trek eingekauft hatten, wurde dieser Teil des Aufenthalts zum super spar Erlebnis. Die Ausflüge zum Colca Canyon und ins Naturschutzgebiet von Paracas, haben wir auf eigene Faust unternommen. Wo wir konnten, sind wir fliegen gegangen, auch wenn das Wetter in dieser Hinsicht manchmal miesepetrig war.

Wir haben beide ein paar neue Turnschuhe gekauft und die Startgebühren von 45.- SFr für den Wings for Live World Run bezahlt, sowie eine Laptopreparatur im Wert von 60 SFr.

Reisekosten Südamerika total

Laufende Kosten

Dauer Aufenthalt: 167 Tage
Kosten für Aufenthaltsdauer: 4992 SFr
Kosten pro Tag: 29.90 SFr

Gesamttotal

Kosten inkl. Versicherungen und Flug exkl. Einmalkosten für Ausrüstung vor der Reise: 6960.40 SFr
Kosten pro Tag: ca. 41.70 SFr

Bilanz

Unser Ziel war es, die laufenden Ausgaben einschliesslich unvorhergesehenem wie Laptopreparaturen, Antibiotika, Fussgelenkstütze und ersetzen von kaputten Sachen, auf ein Maximum von 30.- SFr pro Person und Tag zu beschränken. Und wir haben es geschafft! Zugegeben, wir haben in Peru sehr von den tiefen Lebenshaltungskosten profitiert und dadurch die Mehrausgaben in den anderen Ländern ausgleichen können. Mit den etwas mehr als 40.- SFr pro Person und Tag inklusive Versicherungen und Flug sind wir auch sehr zufrieden.

Wer noch günstiger Reisen will als wir, kann dies erreichen in dem er:

  • Langsamer reist als wir, z.B. per Fahrrad oder Autostop, wobei vor allem bei letzterem Vorsicht geboten ist.
  • Ausschliesslich selber kocht.
  • Keine geführten Touren mitmacht oder eintrittspflichtige Orte besucht.

Von der Notfall-Versicherung Reise-Unfallversicherung (inkl. Diebstahl) für 262.- SFr haben wir im Übrigen bereits profitiert. Eli wurde in Valparaiso die Handtasche mit Kamera, Handy und Korrekturbrille gestohlen. Die Versicherung hat den Zeitwert der Verlustsachen nach Einreichen aller nötigen Unterlagen ohne weitere Einwände beglichen.

Wie am Anfang beschrieben, haben wir uns für diese Südamerika Reise vorgenommen das Maximum an Erlebnissen und Annehmlichkeiten mit dem Minimum an Kosten herauszuholen. Rückblickend können wir sagen, dass uns das aus unserer Sicht definitiv gelungen ist!


Wie viel hat dich dein Reisetraum gekostet? Welche Versicherungen hast du gehabt und welche Erfahrungen damit gemacht? Schreibe uns deine Antworten und Tipps in die Kommentare!

Um keinen unserer Artikel mehr zu verpassen und für weitere spannende News rund um die Themen Gleitschirmfliegen, Reisen und Trekking abonniere unseren Newsletter und folge uns auch auf unseren Seiten bei Facebook, Google+, Youtube, und Instagram – hier findest Du auch aktuelle News und Bilder von unseren Reisen.


*Affiliate Link

Para-Spass in Paracas

Von Cusco fuhren wir mit dem Luxusbus von Civa, Excluciva, nach Ica. Kurz vor Ankunft in Ica meinte der eine Fahrer, er könne uns gut auch an der Kreuzung nach Paracas aussteigen lassen. ‚Super‘, dachten wir, ‚dann müssen wir da nur noch ein Taxi nehmen und schon sind wir am Ziel‘. In Ica teilte uns dann der zweite Fahrer mit, dass dieses Vorhaben unmöglich sei und er auf keinen Fall an der Kreuzung anhalten werde. So verließen wir Hals über Kopf der Bus und machten uns auf die Suche nach dem Regiobus, der nach Pisco fuhr und uns an der Kreuzung aussteigen lassen würde. Ein kleiner Spaziergang später sassen wir im Bus von Flores und düsten Richtung Paracas. An der Kreuzung stiegen wir aus und wurden sogleich von vielen Taxifahrern umschwärmt. Erst mal eine Cola, war unsere Antwort.
Nach dem Coci nahmen wir dann in aller Ruhe und nach kurzer Verhandlung das Taxi nach Paracas.
Ein Hostel zu finden war zu dieser Jahreszeit kein Problem. Paracas besteht hauptsächlich aus Restaurants und Hotels. Alle Häuser sehen relativ neu aus. Später erfuhren wir, dass vor sieben Jahren ein Tsunami das Küstendörfchen komplett zerstört hatte.
Da noch Nebensaison war, standen die meisten Hotels leer, was uns bei der Preisverhandlung in die Hände spielte. Schließlich fanden wir ein Zimmer für 30 Sol im Hostel Willy’s Backpacker.
Am nächsten Tag mieteten wir zwei rostige Fahrräder und fuhren mit unseren Gleitschirmen am Rücken ins Naturschutzgebiet von Paracas. Laut Paragliding Maps soll es dort an der Küste möglich sein zu soaren.

Die Fahrt war ziemlich anstrengend, da das Hinterland von Paracas ausschliesslich aus Wüste besteht. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und wir waren froh um jedes Lüftchen. Als wir an der Küste ankamen, waren die Bedingungen perfekt und wir schwangen uns sogleich in die Lüfte.

Tags darauf trafen wir uns mit Jose. Er ist der Besitzer des lokalen Tandem Unternehmens sowie einer Kite Schule und eines nobleren Restaurants im höchsten Gebäude von Paracas. Was ihm in dem Dorf sonst noch alles gehörte, wagten wir nicht weiter zu fragen. Jose schlug uns sofort vor, noch am selben Abend gemeinsam in den Park zu fahren, um etwas zu soaren. Der Wind war sehr stark und erlaubte bloss etwas weiter den Hang hinunter ein paar Aufzieher und Fliegen nur unter der Kante. Darüber waren unsere Schirme im Beschleuniger knapp schnell genug, um nicht rückwärts zu fliegen. Wir verabredeten uns mit Jose für den nächsten Tag für einen Morgenflug, bevor wir nach Lima fahren würden.
Tags darauf packten wir unsere sieben Sachen und warteten auf Jose, der uns von seinem Angestellten abholen liess.
Der Wind im Park an der Küste war erst sehr, sehr schwach. Wir verkürzten uns die Wartezeit mit etwas Groundhandling. Wie sich später herausstellte, war das fliegbare Windfenster nur von kurzer Dauer, danach wurde der Wind zu stark. Dies bekam dann auch Jose zu spüren, als er noch einen Tandem Flug machen wollte und beim Aufziehen des Schirms quer über den Startplatz geschleift wurde. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Alsbald machten wir uns auf den Weg nach Lima.

Der lange Weg nach Machu Picchu

Peru verbinden viele mit einem Besuch in Machu Picchu, der auf einem Berg liegenden Inkastadt, die seit 1983 als UNESCO Welterbe gilt und zu den neuen sieben Weltwundern gezählt wird. Machu Picchu, kurz M.P, ist inzwischen bei Touristen so beliebt geworden, dass die Besucherzahl auf ein tägliches Maximum von 2500 Menschen beschränkt werden musste, der UNESCO wären 800 lieber. Um nach M.P. zu kommen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die teuerste davon ist, mit dem Zug hin zu fahren. Für uns stand ausser Frage, dass wir uns das leisten können, zumal es viele tolle Trekkings in der Umgebung gibt, die nach M.P. führen. Der berühmte Inka-Trail war uns auch zu teuer, zudem muss man den einige Wochen bis Monate im Voraus buchen, da pro Tag nur 300 Plätze verfügbar sind. Wir hatten uns schon beinahe für den Salkantay Trek entschieden, als ich irgendwo im Internet von Choquequirao gelesen habe. Dabei handelt es sich um eine weitere Inkaruine, die etwa 100 km von M.P. entfernt liegt. Die Grabungsarbeiten sind noch in vollem Gange und die Besucherzahlen erreichen im Jahr nicht die Tageslimite von M.P. Zudem soll sie Schätzungen zufolge drei Mal so gross sein wie M.P. Die beiden Stätten sind durch einen sogenannten Arriero-Pfad miteinander verbunden. Beim Arriero-Pfad handelt es sich um einen Weg auf dem Maultierführer (Arrieros) mit ihren Mulis Waren von einem Tal ins nächste transportieren. Der Trek dauert inklusive Besichtigung beider Stätten, Anfahrt und Rückreise ca. 10 Tage. Das klang genau nach dem Abenteuer, nach dem wir suchten, sozusagen z Füfi u z Weggli unter den Inka-Trails.

Im Hostel gab es noch ein Französisch-Deutsches Paar, das den Trek auch machen wollte und so verabredeten wir uns, am nächsten Tag gemeinsam los zu ziehen. Im Vorfeld wurde uns mehrfach empfohlen, wenn wir schon keine Tour buchen wollten, bei der alles durchorganisiert ist, doch wenigstens einen Arriero mit Muli zu buchen. Zum einen soll es der Weg in sich haben und man sei sehr froh, wenn das Maultier einen Teil des Gepäcks schleppen kann und zum anderen spräche die Bevölkerung in den Tälern hauptsächlich Quechua und fast kein Spanisch. Der Arriero könne da sicherlich helfen. Weiter wurden wir darauf hingewiesen, dass Gringos ohne Arriero bei den Übernachtungen und beim Essen viel mehr verlangt würde, als wenn sie einen dabei haben.

Es kursierten auch Geschichten von Touristen, die von Drogenschmugglern überfallen und getötet wurden. Diese Begebenheiten lagen aber schon einige Jahre zurück und unser Hostelvater räumte sämtliche Bedenken aus, als er erwähnte, dass der Narcotrafico seit mehreren Jahren in dieser Region kein Problem mehr darstelle. Seinem Wort schenkten wir viel Glauben, denn er stammte aus der Gegend und hatte die Infos aus erster Hand. Dennoch waren wir uns noch nicht im Klaren, ob wir einen Arriero buchen werden oder nicht. Für das andere Paar stand fest, dass sie es auf eigene Faust versuchen wollen. Sie hatten eine detaillierte Routenbeschreibung im Gästebuch des Hostels gefunden und diese kopiert.

Tag 1: Anreise

Als wir am Morgen los wollten, stellten wir fest, dass wir wohl alleine losziehen müssen, da die bessere Hälfte der Französin die Toilette nicht wirklich verlassen konnte. Etwas spät schon machten wir uns auf, um zur Station der Micros zu laufen.

Nach langem Warten füllte sich das Mirco endlich und wir fuhren los. In Curahuasi mussten wir umsteigen. Die Taxis warteten bereits und boten uns haarsträubend teure Preise bis zur Abzweigung nach Cachora. Je mehr Konkurrenzdruck unter den Taxis herrscht, desto bessere Karten haben wir beim Verhandeln, da sie sich gerne gegenseitig unterbieten, um doch noch den Zuschlag zu erhalten. Für akzeptable 15 Sol pro Person willigten wir dann ein. Der Täxeler hielt es aber nicht für nötig gleich loszufahren. Erst fuhren wir noch in die Einkaufsstrasse. Dort kaufte er sich etwa 20 Kilo Teigwaren. Danach fuhren wir zu einem Haus, wo er aus einem Vorraum noch zwei Autoreifen inklusive Felgen holte und im Kofferraum verstaute. Erst dann konnten wir losfahren. Auf dem Weg zur Kreuzung nach Cachora wollte er uns weiterhin die Fahrt bis ins Dorf von Cachora verkaufen. Aus Berichten wussten wir, dass diese Fahrt in der Regel pro Person fünf Sol kostet. Er wollte sie uns für mindestens 20 verkaufen und war nicht verhandlungsbereit. Wir auch nicht. Beim Taxistand an der Kreuzung erklärten uns die Jungs dann, dass es die Fahrt für fünf Sol nur dann gäbe, wenn vier Passagiere im Auto sässen. Leider waren gerade keine anderen Fahrgäste zu finden. Doch wir konnten mit einem Täxeler verhandeln, dass er uns für total 15 nach Unten fuhr. Wandern wollten wir nicht unbedingt, da es schon wieder zu regnen begonnen hatte.

In Cachora angekommen, suchten wir uns ein Hostel. Wie sich herausstellte, war das gar nicht so einfach, da wir uns noch in der Nebensaison befanden und nur eine der etwa drei Herbergen geöffnet war. Schliesslich, nach mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung, gelangten wir ziemlich nass in den Hinterhof der einzigen geöffneten Herberge. Vergebens suchten wir nach einer Rezeption oder jemandem, der uns ein Zimmer geben konnte. Also warteten wir an einem trockenen Plätzchen unter der Laube der Herberge.

Wenig später kehrten die anderen Gäste der Herberge vom Bierkauf zurück. Es waren vier Deutsche vom Alpenverein Berlin, die eine dreimonatige Bergtour in den Anden geplant hatten. Der Weg nach Machu Picchu war sozusagen die Aufwärmroute für ihre weiteren Gipfelbesteigungen. Beim gemeinsamen Nachtessen erzählten sie uns dann, dass sie bei der Herberge für 70 Sol pro Tag einen Arriero mit Maultier gebucht haben, der sie nach Yanama bringen sollte. Da wir denselben Weg wie sie gehen wollten, bot es sich an, uns ihnen anzuschliessen. Unser Gepäck wollten wir aber selber tragen.

Tag 2: Los geht’s

Es regnete noch immer. Moritz und ich besorgten uns je ein Paar Gummistiefel. Leider haben unsere Haglöfswolken schon lange verlernt, wie man Wasser davon abhält in den Schuh zu laufen und deswegen viele Blasen und kalte Füsse zu riskieren, lag uns fern. Leider sind peruanische Männerfüsse nicht so gross wie Europäische und Moritz musste sich in ein paar Stiefel mit Grösse 42 zwängen.

Gemeinsam mit den deutschen Wandervögeln zogen wir gegen neun Uhr endlich los. Von der Landschaft bekamen wir erst einmal nicht viel mit, da wir uns in den Wolken befanden. Der Weg war bis zum ersten Pass ziemlich angenehm zu gehen. Auf dem Abstieg Richtung Rastplatz hatte der viele Regen den Boden stark durchweicht und so rutschten wir munter dem Tal entgegen, immer darauf bedacht, nicht auf den Allerwertesten zu fallen. Erst gegen Nachmittag lockerte sich das dichte Grau langsam auf und als wir unseren Rastplatz erreichten, schien sogar etwas die Sonne.

Tag 3: Der erste Aufstieg

Den Tag begannen wir kurz nach Sonnenaufgang. Noch während dem wir zu sechst am Frühstückstisch sassen, begann Carlos, der Arriero der Deutschen mit dem Abbau deren Zelte. Diese Aktion liess dann in unserer Gruppe etwas Hektik aufkommen. Wenig später hatten wir alles zusammengepackt und waren marschbereit. Der Abstieg bis zum Rio Apurimac war schnell erledigt. Die Plackerei des Tages begann erst auf der anderen Seite der Brücke. Erst war der Pfad noch im Schatten eines Hügelkammes, doch kurz nach zehn Uhr kletterte die Sonne hinter dem Kamm hervor und brannte unbarmherzig auf unsere Köpfe. Gegen drei Uhr Nahmittags trafen wir schliesslich in Maranpata, dem Dörfchen vor Choquequirao ein. Nach einer kurzen Diskussion beschlossen wir dort unser Nachtlager aufzuschlagen.

Tag 4: Regenbogen in Choquequirao

Irgendwann kurz vor Sonnenaufgang begann es wieder zu regnen. Eher unmotiviert machten wir uns daran unsere Zelte nach dem Frühstück einzupacken. Das schlechte Wetter schlug auf die Stimmung der Gruppe. Die Frage nach der Passierbarkeit des Rio Blanco, dem Fluss im Tal nach Choquequirao kam auf einmal auf. Das Problem war, dass dieser Fluss Erzählungen zu Folge keine Brücke hat und in der Regenzeit viel Wasser führen kann. Carlos meinte, er würde das abklären. Die Señora war der Meinung, dass man wohl nicht durchkommen werde, da ihre zwei Cousins noch nicht aus Yanama zurückgekehrt seien und das nur deshalb sein könne, weil der Fluss nicht passierbar sei.

Wie dem auch sei, wir beschlossen alle, das Gepäck nach Choquequirao mitzunehmen. Carlos versprach dass er, während dem wir durch die Ruinen streiften, zum Fluss und zurück wandern würde und schauen würde, wie die Situation sei. Als Moritz und ich auf der Plaza Principal in Choquequirao eintrafen, war Carlos auch schon da und meinte, er habe zwei andere Arrieros gesehen, die ihm gesagt hätten, es sei nicht möglich über den Fluss zu kommen. Für die Deutschen stand schnell fest, dass sie in diesem Fall wohl den Rückweg antreten werden. Moritz und ich wollten noch nicht so leicht aufgeben und beschlossen die Nacht in Choquequirao zu verbringen und im schlimmsten Fall am nächsten Tag noch einmal ausgiebig und hoffentlich bei besserem Wetter die Ruinen anzuschauen. So trennten sich unsere Wege.

Gegen drei Uhr nachmittags drückte endlich die Sonne durch und bescherte uns wunderschönes Licht, um doch noch etwas von den Ruinen zu sehen. Auf unserem Streifzug begegneten wir einem französisch sprechenden Guide mit seiner Gruppe. Wir fragten ihn, wie er die Situation denn einschätze und er meinte, dass der Fluss eher ein grosser Bach sei und zudem führe eine kleine Brücke darüber. Unsere Neugierde war geweckt.

Tag 5: Der Rio Blanco

Früh morgens nahmen wir den Weg ins Ungewisse unter die Füsse. Auf dem Abstieg vom Abra Choquequirao begegneten wir einem Einheimischen. Wir fragten ihn, ob er über den Rio Blanco gekommen sei. Er bejahte und meinte, es sei überhaupt kein Problem. Der Rio führe nicht mehr Wasser als sonst. Carlos du miese Ratte! Nie im Leben hatte der Arriero gestern jemanden getroffen, der ihm gesagt haben könnte, dass der Rio Blanco nicht passierbar wäre. Die Berliner taten uns ziemlich leid. Wem soll man denn vertrauen können, wenn nicht demjenigen, dem man Geld für seine Beratung gibt? Darüber, dass der Weg schwer zu finden sei, mussten wir uns keine Gedanken machen. Unterwegs trafen wir eine grosse Gruppe Wegarbeiter, die dabei waren den Weg vom Gestrüpp zu befreien. Da der Pfad die einzige Verbindung zwischen Yanama und Choquequirao ist, kommen hier täglich mehrere Arrieros mit ihren Tieren durch. Zudem beginnt die Hochsaison Anfang Juni und dann sollten die Wege für die Touristen bereit sein.

Am Rio Blanco angekommen stellten wir fest, dass der auch ohne Brücke passierbar gewesen wäre. Neben der Brücke gab es eine Stelle durch die man gemütlich hätte durchwaten können.

Der Aufstieg bis Maizal hatte es danach in sich. Um unsere Etappenplanung noch einhalten zu können, mussten wir zwei Tagesetappen zusammenlegen. Ziemlich erschöpft erreichten wir schliesslich kurz vor Sonnenuntergang den Rastplatz in Maizal.

Tag 6: Übernachten in fremden Betten

Wir machten uns daran den Pass nach Yanama auf sumpfigen Wegen zu erklimmen. Dort wollten wir die Nacht wenn möglich in einem Zimmer verbringen. Am nächsten Tag stand ein Pass über 4600m an und da wollten wir kein nasses Zelt hochschleppen. Eingangs Yanama wurden wir von einer Dame abgefangen, die in ihrem Garten ein paar Zeltstellplätze geschaffen hatte. Wir fragten sie nach einem Zimmer und sie meinte, das sei auch kein Problem. Sie räumte kurzerhand zwei Betten, in denen sonst ihre Enkelkinder schliefen und bot sie uns zur Übernachtung an. Uns war das natürlich nicht ganz recht aber sie versicherte uns, dass das kein Problem sei und sie uns die Betten wirklich gerne überlasse.
Die verbleibenden Sonnenminuten nutzten wir wieder einmal dazu unsere Kleider und das Zelt zum Trocknen aufzuhängen. Bevor die Sonne unterging gönnten wir uns noch eine Dusche. Das Wasser war so kalt, dass meine Kopfhaut beim Haare waschen extrem schmerzte.

Tag 7: Es führt eine Schotterstrasse nach Yanama

Am Morgen zogen wir ausgeruht weiter. Was wir bisher auf der Karte nicht sahen und auch in keiner Routenbeschreibung zu lesen war ist, dass seit einiger Zeit eine für Autos befahrbare Strasse von Santa Teresa bis nach Yanama führt. Wer also in der Regenzeit den sumpfigen Arriero-Pfaden ausweichen will oder lieber länger dafür weniger steil auf den Pass steigen will, weicht auf die Strasse aus. So trotteten wir gelassen auf der bequemen Strasse der Passhöhe entgegen. Der Arriero-Pfad wäre sicherlich die schnellere Variante gewesen doch angesichts der immer geringeren Sauerstoffwerte der Luft, waren wir heilfroh, dass die Steigung nicht steiler war.

Oben am Pass waren wir dann doch etwas verwirrt, da der nicht wie angenommen Abra Yanama hiess sondern Abra Mariano Llamoja. Wir beruhigten unsere Nerven dann damit, dass es ja gar keine andere Aufstiegs-Möglichkeit aus dem Tal gegeben habe. Da wir uns mitten in einer dichten Wolke befanden gab es auch keine Möglichkeit zu sehen, ob denn das Tal, in das wir nun blicken konnten, auch das Richtige sei. Im super dichten Nebel machten wir uns dann an den Abstieg. Ab und zu tauchten Kühe aus den Schwaden auf und verschwanden genau so still wieder darin. Anders als bei uns tragen die Tiere hier keine Glocken… Kurz vor dem Eindunkeln erreichten wir den Campingplatz in Tatora. Die nette Besitzerin meinte, die Benutzung sei gratis, wenn man bei ihr im Laden etwas einkaufe. Da wir noch Klopapier und ein paar Snacks brauchten, war diese Bedingung rasch erfüllt. Ziemlich fertig vom langen Marschtag fielen wir kurz nach dem Abendessen zufrieden in unsere Schlafsäcke.

Tag 8: Campingplatz mit eigener Kaffeeplantage

Der Tag versprach ein gemütlicher Spaziergang zu werden. Erst führte die Strasse nach Collpapampa, wo unsere Route auf den Salkantay Trek traf. Sofort bemerkten wir, dass wir nun wieder in touristisch besser erschlossenem Gelände unterwegs waren. In Collpapampa gab es mehrere Touristenunterkünfte und einen Kiosk nach dem anderen. Überall sahen wir, dass die Vorbereitungen für die kommende Trekking Saison voll im Gange waren.

Die Touristenströme erobern normalerweise das Hochland Perus von Mai bis August. Mitte April, als wir unterwegs waren, sind viele Einrichtungen noch geschlossen. So auch das Thermalbad ausserhalb von Collpapampa. Die Toiletten und Duschen waren nicht ans Wasser angeschlossen und sahen entsprechend unappetitlich aus. Moritz gönnte sich dennoch ein Bad in der trüben, warmen Brühe. Die Strecke nach La Playa legten wir auf dem Arriero-Pfad auf der linken Seite des Rio Teresa zurück. Die grosse Strasse verlief auf der anderen Seite des Flusses. Unser Weg war von hübscher Vegetation gesäumt und führte ab und zu kleine Anhöhen hoch und hinunter. Es war ein schöner Tag und wir beschlossen in unseren Tevas zu gehen. Wie sich später herausstellte, war die Entscheidung durchaus richtig. Der Weg führte durch eine sumpfige Wiese und wir sanken teilweise bis Mitte Wade im Morast ein…

Kurz vor Playa machte sich dann aber meine Wadenmuskulatur schmerzhaft bemerkbar. Wandern in offenen Schuhen will geübt werden. Ich hatte das nicht bedacht und wurde nun mit Wadenkrämpfen, die nicht besser werden wollten, bestraft. Langsam kämpfte ich mich doch noch den Berg bis nach Lucmabamba hoch. Der Weg führte durch Kaffeeplantagen und Bäumen mit exotischen Früchten vorbei. Auf einmal standen wir mitten im dichten Gebüsch vor einem Schild, das einen Camping anpries, auf dem der beste Kaffee serviert werden sollte. Gekauft, wir waren uns einig.

Während dem Moritz netterweise das Zelt alleine aufstellte, versuchte ich das Brennen aus meinen Waden zu bekommen. Leider ziemlich erfolglos.

Tag 9: Einmarsch in Aguas Calientes

Neuer Tag, neues Glück. Ibuprofen und Tigerbalsam sei Dank, haben sich meine Waden weitgehend erholt. Beschwerdefrei ist anders, aber es reichte zum Wandern. Das Wetter verschlechterte sich aber kurz nach dem Aufwachen stark und es begann zu regnen. Wir machten kurzen Prozess und stellten unser Zelt und das Gepäck in den noch nicht fertig gebauten Unterstand auf dem Campingplatz. Die Zeit bis die Regenmenge ein erträgliches Mass erreichte, verbrachten wir bei einem leckeren Kaffee und einem Schwätzchen mit den Besitzern.
Das verbleibende Wegstück bis zum Wasserkraftwerk, am Eingang zum Tal, das nach Aguas Calientes führt, brachten wir bis zum Mittag hinter uns. Gut gelaunt machten wir uns an die letzten zehn Kilometer nach Aguas Calientes. Es gibt zwei Möglichkeiten, um dort hin zu kommen. Entweder mit dem teuren Zug oder zu Fluss der Bahnlinie entlang. Das Tal ist so schmal und der Fluss, der darin fließt so breit, dass nicht noch eine zusätzliche Strasse darin Platz finden würde.
Nie hätten wir geglaubt, dass sich zehn Kilometer dermaßen in die Länge ziehen können. Als wir Aguas Calientes endlich erreichten, zwickten mich sämtliche Muskeln.
Nachdem wir die Eintrittstickets nach Machu Picchu für den nächsten Tag gekauft hatten, suchten wir uns ein Hostel. Für 30 Sols erhielten wir schließlich im obersten Stock eines Hostels am Hauptplatz ein Zimmer. Die Temperatur und vor allem der Feuchtigkeitsgrad entsprachen in etwa dem Klima eines Tropenhauses. Alles war feucht warm und roch etwas nach gegraut. What you pay is what you get. Manchmal hatten wir Glück, wenn wir mit dem Preis verhandelt haben, heute nicht. Wir waren jedoch zu fertig, als dass wir noch hätten umziehen wollen. In der Nacht machte aber Nachbars Tochter ein unglaublich lautstarkes Theater, um nicht ins Bett zu müssen, dass es uns schwer fiel, nicht zu bereuen, dass wir nicht umgezogen sind. Eine Nacht, wie man sie nicht erleben will…

Tag 10: Machu Picchu, die Touristenhölle

Der Bus von Aguas Calientes hoch nach M.P. und wieder runter kostet satte 24 US $. Die Entscheidung zu Fuss den Berg zu erklimmen fiel uns angesichts dieser Tatsache sehr leicht. Etwas ins Schwitzen gerieten wir doch, aber wir hatten anstrengendere Strecken hinter uns. Oben angekommen stellten wir uns in die Schlange der M.P. Besucher am Eingang. Neben dem Ticket muss hier auch der Pass vorgewiesen werden. Grund? Keine Ahnung, irgendetwas von wegen Ticketbetrugsschutz. Schon beim Erwerb des Tickets muss der Pass gezeigt werden. Eindrücklich an M.P. war neben der grossen Anzahl an Bauten die Armada an angestellten, die die Anlage restaurierten, putzten, neue Teile ausgruben und die Besucherströme in die richtigen Wege lenken sollten. Viele Besucher bezahlten einen Guide, der sie durch die Stätte führte. Wir erkundeten das Gelände auf eigene Faust und wurden ab und zu von einer Trillerpfeife daran gehindert gegen den Menschenstrom zu schwimmen. Wie gesagt, wir waren in der Nebensaison auf M.P. aber gegen zehn Uhr morgens wurde die Anzahl Besucher unerträglich und wir begaben uns auf den Heimweg. Schließlich warteten noch mehr als zehn Kilometer Fußmarsch bis zum Hidroelectrica und eine längere Micro Fährt nach Cusco auf uns. Der Taxifahrer am Hidroelectrica lies nicht mit sich verhandeln. Unsere Karten waren auch denkbar schlecht, hatte er doch keinen Konkurrenzdruck, da kein anderes Taxi in Sicht war. Zu fünft mit drei Argentiniern quetschten wir uns in den Lotterkombi. Im nächsten Dorf stiegen zwei aus und der Täxeler kurvte eine halbe Stunde durchs Dorf, bis er wieder zwei neue Fahrgäste gefunden hatte. In Santa Maria stiegen diese beiden wieder aus, worauf uns der Täxeler erklärte, wir sollen doch ins Micro seines Onkels umsteigen, der fahre auch nach Cusco auf die Plaza des Armas und in seinem Auto könnten die Sitze nach hinten gekippt werden. Der Argentinier verstand die Welt nicht mehr und fühlte sich genau wie wir ziemlich verarscht. Ihr könnt euch ja schon denken, wie die Geschichte weiter ging. Micros fahren erst, wenn sie voll sind und die Plaza des Armas in Cusco ist für den Verkehr gesperrt. Der Argentinier fragte mehrere Male, ob ihn das Micro wirklich am Busbahnhof absetzen würde und erhielt immer eine positive Bestätigung. Nun, das Micro hielt dann endgültig um 22:00 Uhr etwa zehn Blocks vom Zentrum und etwa zwanzig vom Busbahnhof entfernt an und der Fahrer verkündete, dass doch bitte alle aussteigen mögen. Den Protest des Argentiniers lächelte er weg und verwies ihn ans nächste Taxi. Wir trotteten mit müden Beinen mitten in der Nacht durch die halbe Stadt und freuten uns aufs Bett. So geht das.