Cusco – Start ins Inka-Abenteuer

Wie immer stapften wir vollbepackt aus dem Busterminal. Dieses lag auch in Cusco in einem eher heruntergekommenen Stadtteil. Draussen empfingen uns sogleich die Taxifahrer. Für völlig überteuerte Preise wollten sie uns in die Stadt fahren. Wir wussten genau, wo hin wir wollten und fragen nach dem Preis, um ins Hostal Estrellita zu fahren. Das sei nicht möglich, weil man dazu über den Plaza des Armas fahren müsse und dieser gesperrt sei, meinte der Taxifahrer. Aber er wisse ein anderes, gutes Hostel in einer anderen Ecke der Stadt. Wir bestanden darauf ins Estrellita zu gehen, der Fahrer beharrte auf seinem Vorschlag und zu einem überteuerten Preis obendrein. Wir beschlossen, zu Fuss bis zum Hostel zu laufen, auch wenn es mehr als eine halbe Stunde dauern würde. Als wir leicht genervt davon zogen, lenkte der Täxeler auf einmal ein und wollte nun plötzlich sehr gerne für die Hälfte seines ursprünglichen Preises zu unserem Hostel fahren. Wir blieben stur und nahmen den Weg unter die eigenen Füsse. Manchmal reisst einem mit den Taxifahrern hier in Peru der Geduldsfaden.

Cusco als Stadt gefiel uns recht gut. Die Preise für auswärts essen waren im Zentrum zwar relativ hoch. Dafür bezahlten wir für das Hostel inklusive Frühstück nur 15 Soles, was etwa 5 Franken entspricht. Einziger Nachteil, vor allem für mich: Es gab in keinem einzigen Zimmer eine Heizung und so fror ich an Tagen ohne Sonne munter vor mich hin. Zum Glück gab es nicht viele solche Tage. Zum Thema Heizung muss ich noch erwähnen, dass es hier sehr unüblich ist eine zu haben. Und Doppelverglasung ist auch ein Fremdwort. Ich war davon doch eher erstaunt, schliesslich liegt Cusco auf 3600 m ü. M.

Die Gleitschirm Szene ist in Cusco sehr klein. Es gibt lediglich eine Hand voll Solopiloten und noch einmal so viele Tandempiloten. Zusammen mit Martin, unserem Österreichischen Fliegerkollegen, verabredeten wir uns mit Patrick, der uns in seinem Pick-up zum Startplatz Cerro Sacro mitnahm. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde, das Wetter machte uns einen fetten Strich durch die Rechnung. Dichte Wolken ballten sich bedrohlich über unseren Köpfen. Unverrichteter Dinge fuhren wir wieder in die Stadt zurück. Am Tag darauf zogen Moritz und ich ohne Gleitschirm los, um die Wanderung von Cachora über Choquequirao nach Machu Picchu unter die Füsse zu nehmen.

Nach unserer Rückkehr unternahmen wir noch einmal einen Flugversuch am Cerro Sacro. Da Patrick über Nacht im Valle Sagrado weilte, mussten wir mit einem Micro zum Dorf unterhalb des Cerro fahren. Vom Hostelvater liessen wir uns erklären, wie wir zur richtigen Micro Station kommen können. Als wir ankamen, rechneten wir schon damit, dass wir jetzt eine halbe Ewigkeit darauf warten müssen, dass sich der Minivan füllt, schliesslich war Sonntagmorgen früh. Das Micro war erstaunlich schnell voll, keine zehn Minuten später fuhren wir auch schon los.

Mitten in der Pampa, etwa vier Kilometer von besagtem Dorf entfernt, setzte uns das Micro am Strassenrand der Hauptverkehrsachse ab. Wie hungrige Mücken warteten dort bereits einige Taxifahrer auf Kundschaft und umschwärmten uns, sobald wir einen Fuss aus dem Micro gesetzt hatten. Wir haben uns jedoch an dieser Strasse mit Patrik verabredet, der auch etwa zehn Minuten später mit seinem Wagen angebraust kam.

Am Startplatz trafen kurz nach uns einige Tandempiloten ein. Gemeinsam schwangen wir uns in die Lüfte. Während mich das nahe Kabel einer Tirolienne so nervös machte, dass ich mich nicht wagte nahe am Hang den dynamischen Aufwind zu nutzen, glitt Moritz während etwa 20 Minuten im schwachen Aufwindband dahin. Derweil ging ich im Ort unten landen. Dabei entdeckte ich auch den genauen Ursprungsort des Kabels und verfluchte  mich, dass ich nicht oberhalb davon noch etwas gesoart habe. Nun, die Sicherheit geht vor. Ich landete unten im Ort auf einer grossen Wiese, wo auch schon Patrik hingeflogen war und nun von acht Kindern umringt wurde, die ihm beim Packen des Schirms helfen wollten.

Zum Mittagessen fuhren wir auf den Sonntagsmarkt ein paar Dörfer weiter. Dort gab es leckere, ganze Forellen aus dem Ofen für umgerechnet ca. 2.70 SFr. Ein richtiger Festschmaus! Am Nachmittag versuchten wir noch einmal uns in die Luft zu schwingen, mussten aber unser Vorhaben wegen zu starkem Wind aufgeben.

Von Cusco sonst haben wir nicht sehr viel mitbekommen. Die Plaza des Armas und den Markt haben wir besucht. Am Markt gab es günstiges und super leckeres, ohne-böse-Folgen, Cevice. Das ist eine peruanische Fischspezialität, man könnte fast sagen das peruanische Sushi. Es besteht aus rohen Fischfiletstücken, die zusammen mit Zwiebeln und Kräutern in viel Zitronensaft mariniert und dadurch gegart werden. Dabei bleibt der Fisch schön saftig, ist aber nicht mehr ganz roh und kann deshalb ohne Bedenken gegessen werden.

Unseren letzten Abend genossen wir in einem Luxushotel. Die Übernachtung habe ich von meiner lieben Schwester zum Geburtstag geschenkt bekommen. Beim Aussuchen des Hotels gab es drei massgebende Kriterien: Eine Heizung, eine Badewanne und ein super Frühstücksbuffet. Schliesslich fanden wir eine tolle Suite im Hotel Tambo del Arriero. Die Heizung funktionierte zwar erst nach 17:00 Uhr, aber dafür gab es eine Badewanne mit Sprudelfunktion.

Juhui, endlich mal wieder ein warmes Bad geniessen. Nach den letzten paar Wochen, in denen ich nachts regelmässig noch ein bis zwei Stunden wachgelegen bin, bis ich unter all meinen Decken warm hatte, war das eine wohltuende Abwechslung, auch wenn es sicher umweltschonendere und ressourcenärmere Lebensweisen gibt, ich genoss den Luxus in vollen Zügen und schämte mich nicht dabei. Merci Vali!!!

La Paz

La Paz liegt in einem riesigen Kessel am Rande eines Hochplateaus. Im Sonnenuntergang nähern wir uns der Stadt. Langsam beginnen die Lichter zu leuchten. Nach einer langen Fahrt entlang dem Rand des Kessels, taucht der Bus endlich in das Lichtermeer der Stadt ab.
Als wir aus dem Busterminal stolperten, verabschiedeten sich gerade zwei Polizisten voneinander. Wir haben viel darüber gelesen, wie unangenehm die Stadt als Tourist sein kann. Deshalb ergriffen wir die Gelegenheit beim Schopf und fragten den einen Polizisten, welchen Weg zum Hotel wir am besten einschlagen würden. Der Polizist meinte kurzerhand, er begleite uns ein Stück. Mit den Zeilen aus den Reiseführern im Hinterkopf setzten wir uns mit ihm gemeinsam in Bewegung. Als er uns dann zu erklären begann, wovor wir uns in La Paz in Acht nehmen sollen, löste sich unsere Anspannung allmählich in Luft auf. Wir hörten immer wieder, dass Touristen von als Polizisten verkleideten Dieben aufgefordert worden seien ihren Ausweis und ihre Wertsachen zu zeigen. Im Anschluss an diesen Scam, zu Deutsch Bauernfängerei, durften sie dann bei richtigen Polizisten eine Diebstahl Anzeige machen. Unser netter Begleiter betonte ausdrücklich, dass die Polizei nie einen Touristen auffordern würde sich auszuweisen, ausser natürlich es besteht ein echter Grund, wie Verdacht auf Drogenbesitz. Im Falle eines Scams solle man einfach nein sagen und weiter gehen. Die Aufforderung mit dem falschen Polizisten per Taxi auf den Polizeiposten zu fahren, solle man auch dankend ablehnen. Manche mögen sich jetzt denken, so dumm sei kein normaler Mensch. Leider scheint es aber immer wieder Leute zu geben, die genau mit dieser Masche übers Ohr gehauen werden.

Flügel ausbreiten

Rund um La Paz türmen sich einige Berge in die Höhe. So erstaunt es nicht wenig, dass wir auch hier ein paar Gleitschirmpiloten antreffen, die jede mögliche freie Minute aus der Stadt herausfahren, um die Welt aus der Vogelperspektive zu sehen. Wir haben unsere Ankunft zeitlich gut geplant. Es ist Freitag und am Wochenende treffen sich die Piloten des lokalen Klubs zum gemeinsamen Fliegen. Sie chartern immer einen Minibus mit Fahrer,der sie zum Startplatz fährt und sie später am Landeplatz wieder auflädt.

Am Landeplatz wird dann meist nach einem Flug noch etwas mit dem Schirm im Wind gespielt bevor alle ihre Sachen packen und gegen Mittag wieder im kleinen Vorort von La Paz gemeinsam Mittag essen. Sandra, eine der zwei weiblichen Pilotinnen in La Paz, fragte mich einmal auf dem Weg zurück zum Bus, wie lange denn mein längster Flug gedauert habe. Ich erinnerte mich an Pfingsten 2014, als ich meinen ersten richtigen Streckenflug gemacht habe. Ich erzählte ihr, dass ich damals fast sechs Stunden in der Luft war und dachte mir nichts dabei. Mit offenem Mund blieb Sandra stehen und schaute mich ungläubig an. Die Erklärung für ihr Erstaunen folgte postwendend. Sie sagte mir, dass sie nun schon fünf Jahre fliege, aber hier in Bolivien sei es kaum möglich länger als eine Stunde zu fliegen. Ihr persönlicher Rekord liege bei 20 Minuten. Ich meinerseits war erstaunt über die kurze Dauer der Flüge hier. Ich dachte bisher, dass wir einfach nicht die richtige Zeit im Jahr erwischt hätten, schliesslich war Ende Regenzeit und das Klima noch immer sehr feucht und zudem wechselhaft.

Tag des Meeres

Am 23. März feierten die Bolivianer den Tag des Meeres. Ohne die Geschichte zu kennen eine spezielle Tradition für ein Binnenland. Nimmt man aber die Geschichtsbücher hervor, fällt schnell auf, dass auf alten Karten Bolivien sehr wohl Meeranstoss hatte. Ende des 19. Jahrhunderts verlor Bolivien aber dieses Territorium im Salpeterkrieg an Chile. Faktisch ist Bolivien seit dann das einzige Land in Südamerika, das keinen Meeranstoss hat. Selbst Paraguay, das auch ein Binnenstaat ist, hat den Rio Paraguay, auf dem Waren im „eigenen Land“ bis zum Meer transportiert werden können. Bolivien zahlt an Chile eine Menge Geld, um Waren über den Seeweg zu transportieren. Die Sache ist ziemlich kompliziert. Eigentlich bestehen Verträge, die Bolivien den Zugang zum Meer via Chile zusichern, diese werden aber nicht wirklich eingehalten. Am Tag des Meeres wird also in Bolivien daran erinnert, dass die Situation mit dem Meeranstoss für das Land so nicht akzeptabel ist und verbessert werden muss (so die sanfte Version, fragt man einen Militaristen, hört sich das eher nach Territorialkrieg an). Zur Feier des Tages defiliert das Militär durch La Paz und wird von dabei von der Luftwaffe mit einer Airshow begleitet. Darum herum findet in der ganzen Stadt ein kunterbuntes Fest mit Ansprachen verschiedenster Politiker statt.

Regionalwahlen in Bolivien

Einige Tage nach diesem Fest fuhren wir mit dem Bus nach Rurrenabaque. Wie es uns dort erging, lest ihr hier. Noch vor unserer Abreise wurde uns ans Herz gelegt spätestens am kommenden Donnerstag oder Freitag mit dem Bus nach La Paz zurück zu fahren. Am Sonntag standen nämlich die Regionalwahlen an und deswegen dürfen Langstreckenbusse ab Samstag nicht mehr verkehren. In Rurre ergatterten wir die letzten vier Plätze in einem Bus. Vier deshalb, weil ja Sophie und Aless, die zwei Belgierinnen, auch mit uns unterwegs waren. Der Grund für die Verkehrsrestriktion besteht darin, dass Bolivianer zum Wählen in den Wahlkreis fahren müssen, in dem sie ihre Papiere haben. Wahlkreis wechseln ist beinahe unmöglich und mit unglaublich viel Papierkram verbunden. Deshalb müssen viele Bolivianer durch das halbe Land in ihr Heimatdorf reisen, um zu wählen. Da in Bolivien Wahlpflicht besteht, sind kurz vor den Wahlen die meisten Verkehrsmittel ausgebucht. Und die Verkehrsrestriktion für Langstrecken am Samstag vor den Wahlen dient wohl dazu, dass auch die Busfahrer in ihr Heimatdorf fahren können. Ab Samstag Nacht dürfen offiziell nicht einmal mehr Taxis verkehren.

Die Fahrt war nicht sehr erholsam und morgens um fünf strandeten wir ziemlich fertig in Villa Fatima, La Paz. Zum Glück war unsere Unterkunft, das Bacoo Hostel, äusserst flexibel, wenn es um die Check-in Zeit betraf. So bezogen wir um sechs Uhr morgens unser Bett und legten uns erst einmal schlafen.

Am Wahlsonntag war dann das Stadtbild in La Paz sehr ungewohnt. Dort wo sonst das Leben pulsierte und ungeduldige Verkehrsteilnehmer ausgiebig Gebrauch von ihren Hupen machten, herrschte Stille und gähnende Leere. Die Stadt war wie ausgestorben. Einige Kinder und Jugendliche ergriffen erfreut die Gelegenheit der freien Strassen und kurvten ausgiebig mit ihren Fahrrädern und Skateboards darauf herum. Für uns war es sehr eindrücklich zu sehen, wie eine Millionenstadt so menschenleer sein kann.

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So leergefegt präsentiert sich die sonst immer verstopfte Hauptstrasse durch La Paz an einem Wahlsonntag
Die Gondelbahnen von La Paz

Wie bereits erwähnt, befindet sich La Paz in einem riesigen Talkessel. Zwischen dem Vorort El Alto, der auf dem Hochplateau liegt, das die Stadt umgibt und dem tiefsten Punkt der Stadt liegen etwa 400 Höhenmeter. Die Strassen sind konstant überlastet und Platz für neue Strassen ist nicht vorhanden. Deswegen hat die Regierung beschlossen unter dem Namen „Mi Teleferico“ einige Seilbahnen zu bauen, die verschiedene Teile der Stadt miteinander verbindet. Pendler gewinnen dadurch sehr viel Zeit, da sie nicht mehr die ganze Strecke mit dem Bus, der im Stau steckt, zurücklegen müssen. Ende Mai 2014 wurde die erste Linie in Betrieb genommen. Bisher sind total drei Linien Rot, Gelb und Grün in Betrieb. In Planung sind weitere fünf Linien. Je nach Länge der Linie gibt es eine oder mehrere Zwischenstationen. Für Touristen bietet sich jetzt also neu die Möglichkeit die Stadt im Vorbeiflug zu erkunden und die Lebensräume der Bewohner aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben.

Zusammen mit Sandra machen wir an einem späten Nachmittag die Teleferico Rundfahrt. Los gingen wir etwa um halb fünf und die erste Linie, die wir bestiegen, war die Rote. Sie verbindet den nördlichen Teil ab Cementerio mit El Alto. Als wir schon fast die Bergstation in El Ato erreichten, machte uns Sandra auf etwas glänzendes in einem Felsspalt einer Klippe aufmerksam. Sie erzählte, dass vor einiger Zeit ein betrunkener Autolenker mit seinem Auto über die Klippe gestürzt sei und in der Felsspalte stecken blieb. Die Rettungskräfte versuchten anschliessend vergeblich Auto und Lenker aus der Spalte zu bergen.

Da Sonntag war, fand in El Alto der grosse Markt statt. Laut Sandra findet man hier alles, was man in den Läden der Stadt vergeblich sucht und mehr. Tatsächlich preisen die Verkäufer von Automotor Einzelteilen bis hin zu nagelneuen Küchenmaschinen und Kleidern alles an, was man sich denken kann. Sandra sagte, dass es noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre mit Touristen über diesen Markt zu schlendern. Damals war ein Präsident mit nordamerikanischen Wurzeln an der Regierung und die indigene Bevölkerung fühlte sich von ihm nicht gerecht behandelt. Da ein Grossteil der Bevölkerung in El Alto indigenen Ursprungs ist, reagierten sie jeweils sehr aufgebracht, wenn sie ein weisses Gesicht in ihrem Dorf antrafen. Offenbar endeten die Begegnungen meist damit, dass die weisse Person vom Pöbel übel zugerichtet wurde. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Dennoch ist Vorsicht geboten. Einen Teil der Strecke bis zur Bergstation der gelben Linie legten wir schliesslich doch mit dem Trufi zurück, nicht weil die Distanz zu weit gewesen wäre…

Auf der Fahrt ins Herz von La Paz konnten wir den Wandel der Häuser wunderbar sehen. Oben in El Alto zeigten die meisten Häuserfassaden ihre nackten Backsteine. Je weiter ins Stadtzentrum wir kamen, desto mehr Häuser waren verputzt und schliesslich sogar angestrichen. Die Ordentlichkeit der Bewohner wurde auch besser, je näher wir dem Stadtkern kamen. Als wir von der Gelben auf die grüne Linie wechselten, dunkelte es bereits ein. Diese beiden Linien teilen sich die Talstation. Die grüne Linie verbindet den Stadtkern mit der gutbetuchten Zona Sur. Hier kamen zu den schön gestrichenen Hausfassaden noch Pools und gestutzte Rasenflächen hinzu. Langsam begannen die Lichter der Stadt zu leuchten. Zusammen mit dem Mond ergab sich eine wunderbare Abendstimmung, die wir von hoch über den Dächern La Paz‘ bestaunen durften. Für uns war das eine sehr gelungene und auch empfehlenswerte Stadtrundfahrt. Einzig der Weg zwischen den Bergstationen der Roten und gelben Linie ist alleine als Tourist nicht sehr empfehlenswert. Wenn man aber einfach die Gelbe und grüne Linie fährt und an der Bergstation der Gelben linksum kehrt macht, besteht eigentlich kein Sicherheitsrisiko.

Auf den Spuren der Dinosaurier – Toro Toro Nationalpark

Zu fünft in ein Taxi gequetscht, fuhren wir mit Aless, Sophie und Lucy nach dem Frühstück zur Haltestelle der Trufis. Ein Trufi ist in Bolivien ein Minibus mit 12-15 Plätzen. Normalerweise fahren diese los, sobald acht bis zehn Personen die Fahrt gebucht haben. Unterwegs steigen meistens noch Leute zu.
Als wir an diesem Morgen bei der Trufistation ankommen, haben wir sehr viel Glück: Es sind noch genau fünf Plätze verfügbar. So bleibt uns ein langes Warten auf die nötigen Passagiere erspart.

Trufi ist geentert wir können dann mal losfahren!
Trufi ist geentert wir können dann mal losfahren!


Dreieinhalb holprige Stunden später fuhren wir im Dörfchen Toro Toro ein. Wer jetzt ein vom Tourismus gezeichnetes Andendorf erwartet, müssen wir leider enttäuschen. Der Dorfplatz wird zwar von einigen Dinosaurierplastiken in Lebensgrösse beherrscht, ansonsten leben die Menschen hier in ihrem ursprünglichen Rhythmus. Gleich am Dorfplatz befindet sich auch das Büro des Nationalparks, in welchem man die Eintrittsgebühr für den Park bezahlen muss. An der gegenüberliegenden Ecke ist das einzige Tour Office gelegen. Bis auf einige kleine Spaziergänge können keine Exkursionen ohne Guide unternommen werden.


Wir buchen für 100 Bolivianos die Nachmittagstour in den Canyon. Die Tour Kosten hier richten sich nur bedingt an der Anzahl Teilnehmer aus. Die Canyon Tour kostet immer 100 Bolis, ob zu zweit oder zu fünft.
Schon etwas spät aber vergnügt zotteln wir gemeinsam mit unserem 16-jährigen Guide los. Er fasst alles sehr kurz und legt ein strammes Tempo vor. Wir wundern uns weshalb, eigentlich möchten wir die Landschaft und die Dinosaurierspuren geniessen. Am Aussichtspunkt vom Canyon stellt sich dann heraus, dass wir noch bis auf den Grund des Canyons gehen wollen und die Sonne schon bald untergehen würde. Ach so, daher rührt die leicht gestresste Art unseres Guides. Auf dem Weg nach unten können wir viele Vögel beobachten, darunter grüne Papageien mit roten Schnäbeln.


Unten im Canyon werden wir von einem wundervollen Wasserfall überrascht, der über moosbewachsene Steine rieselt und eine Atmosphäre wie mitten im Urwald zaubert. Der Aufstieg wird anschliessend recht anstrengend.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang schaffen wir es wieder zum Parkausgang. Den Weg zurück ins Dorf beenden wir im Dunkeln.


Als wir zurück ins Hostel kommen, richtet uns die Hostel Mama einen Gruss von Carine und Thomas, den zwei Franzosen, die auch mit auf der Uyuni Tour waren, aus. Wenig später treffen wir die beiden während unserer Suche nach einem Abendessen an. Wir verabreden uns für den Folgetag.
Am nächsten Tag wollen wir die Tour zur Stadt Ica und in die tiefste Höhle Boliviens machen. Thomas ist nicht so begeistert von der Idee durch dunkle, enge Gänge zu kriechen. Deshalb beschliessen die beiden, eine andere Tour zu machen.
Mit dem Nachtbus ist noch eine Französin mehr eingetroffen, Amandine. Sie schliesst sich uns an und so ziehen wir zu sechst los, was die Tour wesentlich günstiger macht.
Den Morgen verbringen wir damit über und unter verschiedenste Gesteinsbrocken zu klettern, die angeblich früher den Menschen in der Region als Zufluchtsort gedient haben sollen, daher auch der Name Ica oder „die Stadt“ obwohl es sich nicht wirklich um eine Stadt handelt. Die Geschichte zu einer Art Höhle mit Bäumen, die den Eingang verdeckten, war ziemlich amüsant. Die Höhle dahinter wird Ochsenversteck genannt, da früher Kuh Diebe in der Gegend umherstreiften und ihre Beute in eben dieser Felsformation vor den Suchern aus dem Dorf versteckten.


Am Nachmittag fuhren wir zur grossen Höhle. Ich war schon mehrmals in Höhlensystemen und bin immer wieder fasziniert von der absoluten Dunkelheit, wenn kein Licht mehr brennt. Die Höhle soll eine der grössten in Südamerika sein. Leider wurde sie erst sehr spät mit einem Eisentor vor Eindringlingen und Plünderern geschützt. Viele der Stalaktiten und Stalagmiten wurden im Laufe der Zeit als Trophäen abgebrochen und mitgenommen. Ansonsten ist die Höhle wirklich eindrücklich. Inklusive einer Passage, bei der man wirklich nur mit kriechen auf dem Bauch durchkommen konnte. Alle dachten an Thomas, zum Glück hat er die Canyon Tour gewählt.
Am fernen Ende des öffentlich begehbaren Teils der Höhle befindet sich ein See. In diesem See hat es sogar Fische. Sie sind weitgehend transparent und womöglich blind, aber grösser als angenommen.



Am Abend treffen wir Carine und Thomas zum Abendessen. Gemeinsam geniessen wir das friedliche Leben hier in Toro Toro und beschliessen, dass wir am nächsten Tag nach getrennten Programmen gemeinsam nach Cochabamba fahren wollen.
Moritz und ich wollen mit dem Gleitschirm zum Kondor Kaga, einem Berg gleich hinter Toro Toro fahren und etwas fliegen, die Mädels und Thomas eine Halbtageswanderung machen.

Dieser Plattenberg ist der  Kondor Kaga. Da wollten wir mit dem Gleitschirm hinunterfliegen. Leider machte uns das WEtter einen Strich durch die Rechnung.
Dieser Plattenberg ist der Kondor Kaga. Da wollten wir mit dem Gleitschirm hinunterfliegen. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Es kommt leider alles anders. Als wir uns zum Frühstück am Markt begeben, beginnt es zu regnen. Auch nach dem Morgenessen ist leider an Fliegen nicht zu denken. Die Mädels und Thomas sind auch nicht sehr angetan von der Idee im Regen zu Wandern. So begeben wir uns wesentlich früher als geplant zur Minibus Station. Etwas ungeduldig bezahlen wir nach einer Dreiviertelstunde Warten die noch nötigen zusätzlichen zwei Tickets. Cochabamba, wir kommen!

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