Ein langer Tag in Santiago de Chile

In Santiago de Chile sind wir wieder einmal eingeladen. Ein nettes Paar mit denen ich im Hostel in Pucon ein paar Minuten geredet habe schlug spontan vor, dass wir einige Tage in ihrem Haus nächtigen könnten. Luana und Juan-Carlos (er betont gerne, er heisse gleich wie der spanische König, spielt Tennis und ist grosser Fan von Roger Federer) sind um die 50 Jahre alt und ihre Kinder sind alle schon ausgeflogen. Sie hätten also reichlich Platz betonte Luana und gab mir ihre Adresse und Telefonnummer.
Jetzt, eine Woche später kommen wir in Santiago an. Begleite uns auf unserem ersten Tag in Chiles Hauptstadt.

Ich öffne die Augen und brauche ein paar Sekunden, um mich zu erinnern, wo ich bin.
Ach ja, im Bus nach Santiago. Das Licht ist an, wir werden wohl bald da sein. Draussen ist es noch dunkel. Ich schaue auf die Uhr. Kurz vor 5 Uhr morgens. Pünktlich. Diesmal wäre mir eine Verspätung nur recht gewesen. Obwohl die Fahrt neun Stunden gedauert hat, habe ich nicht viel geschlafen. Der Bus hält am Terminal an. Wir schnappen uns unsere Rucksäcke und setzen uns im noch dunkeln Terminal an einen Tisch vor einer Heladeria. Wir können unmöglich unsere Gastgeber so früh morgens überfallen. Ausserdem fährt die U-Bahn noch gar nicht.
Langsam kommt Leben in die Busstation. Wir holen uns Kaffee und Medialunas, ein Süssgebäck das an Croissants erinnert und doch ganz anders ist. Um 7 Uhr machen wir uns auf die Suche nach der nächsten U-Bahn Station und nehmen die Linie 1 bis zur Endstation „Los Dominicos“. Dort muss ich erst mal Google Maps bemühen um die 500 Meter entfernte Adresse zu finden. Dann stehen wir etwas verloren an einer Strassenecke. Google weiss mal wieder, wie so oft in Südamerika, nicht wo die Hausnummer genau ist. Wir auch nicht, da die Hausnummern hinter all den grossen (Elektrischen) Zäunen nicht ersichtlich sind. Ich rufe an, Luana streckt den Kopf aus dem Fenster, sieht uns und macht uns das Tor auf. Wir waren uns vorgängig nicht so sicher was wir von dieser sehr spontanen Einladung erwarten sollten, aber die nun folgende herzliche Begrüssung lässt unsere Zweifel schnell verfliegen.

Die beiden zeigen uns ihr Haus und unser Zimmer und erklären uns, wir könnten so lange bleiben wie wir wollen. Dann lassen sie uns in Ruhe auspacken und noch einige Stunden schlafen. Als wir danach erholt aufstehen und unsere Gehirne wieder fähig sind spanisch zu verstehen und zu sprechen, machen die beiden mit uns in Juan-Carlos‘ schickem BMW eine kleine Führung durch die Vororte und Hügel rund um Santiago.

Santiago hat einen hohen Lebensstandard und auch hohe Lebenskosten, was einem klar wird, wenn man die Millionenschweren Villen in den Hügeln sieht. Wir wollten uns diese dann näher anschauen, aber keine Chance schon einige Kilometer entfernt steht ein Wärterhäuschen, wo wir aufgehalten werden. Ganze Landstriche sind hier privat. Wir kennen das ja schon von anderen Orten. Wieder zuhause geniessen wir Almuerzo – Lunch – und lassen uns von Juan-Carlos auf der Karte die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt zeigen.

Dann machen wir uns auf den Weg den Stadtkern von Santiago de Chile zu Fuss zu entdecken. Das bedeutet zuerst wieder 20 Minuten in der heissen Metro Linie 1 fahren bis zur Station Santa Lucia wo die Bibliotheca National de Chile mit ihren eindrücklichen Säulen steht. Von dort laufen wir zur Kirche San Francisco. Hinter der Kirche beginnt ein schönes Quartier mit alten Häusern und Strassen aus Kopfsteinpflaster. Durch dieses Quartier laufen wir zum Cerro Santa Lucia, einem kleinen Hügel mitten in der Stadt. Diese grüne Oase besteigen wir und kommen oben in das Castello Hidalgo. Der Kontrast von grünen, alten Bäumen und neuen, glänzenden Hochhäusern lädt zum Fotografieren ein. Dann steigen wir wieder ab in die heissen Häuserschluchten. Bevor wir weiter zur Plaza des Armas gehen, gönnen wir uns in einem Café eine Erfrischung. In der Ursprünglichen Planung der Stadt im Jahre 1541 wurde die Plaza des Armas als Mittelpunkt und Versammlungsplatz eingeplant.  Jetzt sind wir mitten in der Einkaufsmeile wo sich Einheimische und Touristen aneinander vorbei zwängen. Viel zu viel Volk für uns, aber das ist der direkte Weg zum Mercado Central, wo wir vor allem die reichhaltigen Auslagen der Fischverkäufer bewundern. Vom Mercado Central ist es nicht mehr weit bis zum alten, stillgelegten Bahnhof. Die Gleise sind schon lange weg und der grosse, leere Raum wird für Ausstellungen und andere Events benutzt.

Es gäbe natürlich noch viel mehr zu sehen in Santiago, wir haben jetzt aber genug von der Hitze in der Stadt und machen uns auf zu einer Abend-Soaring Session im stadtnahen Fluggebiet „Black Park“. Erst um 23 Uhr sind wir wieder zurück und fallen müde ins Bett. Das war wirklich ein langer Tag.

Pucon – schlafende Vulkane sollte man ruhen lassen

In Pucon fanden wir ein cooles Hostel. Die Ethnico Eco Lodge liegt in einer alten Abtei und hat einen riesigen Garten mit Pool. Hier wird sehr viel Wert auf Recycling und Abfalltrennung gelegt. Das erste Mal, dass wir in Südamerika so was sehen. Uns gefällt’s! Beim Einchecken wurden wir auf Schweizerdeutsch begrüsst. Rebecca wohnt mit ihrem Mann Pancho seit einem Jahr in Pucon und arbeitet im Hostel. Er ist Bergführer und bringt die Touristen auf den aktiven Vulkan Villarrica, welcher gleich neben Pucon liegt. Während es um Pucon viele Attraktionen wie heisse Quellen, Mountainbiking, Rafting, Partys, den Huerquehue Nationalpark, Cannyoning usw. gibt, ist dieser Vulkan der Hauptgrund, um Pucon zu besuchen. Neben der Tatsache dass er aktiv ist und oben aus dem Krater Rauch aufsteig,t ist er auch relativ einfach zu erklimmen. Die ersten 300 Höhenmeter kann man einen Sessellift nehmen, wenn man will, und dann sind es nur noch 1000 Höhenmeter zum Gipfel. Ein besonderes Highlight für die Touristen ist die Art des Abstiegs. Dieser erfolgt auf einem kleinen Tellerschlitten durch in den Schnee gegrabene Rinnen. Wie ihr euch denken könnt hatten wir aber eine andere Idee, wie wir runterkommen. Und zwar fliegend, am liebsten direkt bis zum Strand von Pucon.

So viel zum Plan, dann holte uns aber Eli’s lange verschleppte Bronchitis ein. Seit Wochen war sie am Husten und weil wir uns nie lange genug still hielten, konnte sie sich nie ganz erholen. Also verschrieb sie sich selbst einige Tage Bettruhe. Ich versorgte sie währenddessen mit Tee und Essen. Die restliche Zeit verbrachte ich im Garten des Hostels mit den anderen Gästen oder machte mich auf, Pucon zu entdecken. Neben Backpackern wohnen im Hostel auch einige Guides und andere, die in Pucon arbeiten. Das ergibt eine gute Mischung von neuen und alten Gesichtern. Am Abend sass man im Garten zusammen und es wurde Gitarre gespielt und gesungen.

An einem der ersten Tage nahm ich an einer Walking Tour teil, die einen guten Überblick über die Umgebung und auch die Geschichte von Pucon gab. Unter anderem wurde uns erklärt, dass der Villarrica eigentlich sehr regelmässig ausbricht, nun aber schon seit mehr als 10 Jahren überfällig sei. Es gibt auch jeden Tag einen Probealarm. Manchmal am Mittag, manchmal um Mitternacht und manchmal um 9 Uhr morgens. Solange sie nach 15 Sekunden wieder aufhört ist alles in Ordnung, wenn nicht sollte man schnell rennen können. Normalerweise geben Vulkane aber Tage oder sogar Wochen vor einem Ausbruch Vorwarnung durch kleinere und grössere Erdbeben. Ausser wenn nicht, dann nicht. Die Menschen hier nehmens aber gelassen.
Als sich Eli wieder besser fühlte, machten wir, quasi als Testlauf für den Vulkan, einen Ausflug zum Wandern in den Huerquehue National Park. In einem Tag schafft man den Aufstieg und die anschliessende Tour zu drei wunderschönen Lagunen mit glasklarem Wasser. Der Weg führt hauptsächlich durch Urwaldartiges Dickicht, wo sich riesige Bäume, Bambus und Blumen abwechseln. Ein Highlight sind die hier heimischen Araucaria Bäume. Die Äste sind von kleinen, grünen, spitzen, schuppenartigen Blättern bedeckt und man hat den Eindruck der Baum gehöre eher in die Zeit der Dinosaurier. Hier wäre es auch möglich mehrtägige Touren zu machen, wo man auf heisse Quellen stösst und weniger andere Touristen sieht. Das wird aber unverschämt teuer, da man den Eintritt in den Park von 4500 Pesos pro Tag bezahlen muss und auch die Campgrounds teurer sind als die Hostels in Pucon.

Am nächsten Morgen hiess es dann früh aufstehen für die Besteigung des aktiven Vulkans. Vorgängig hatten wir den Führern gesagt, dass wir mit den Gleitschirmen vom Villarrica runterfliegen wollten und sie hatten sogar eine offizielle Erlaubnis vom Nationalparkbüro verlangt. Dort hatte man mir nur gesagt: „Du bist Pilot und weisst selber am besten, ob du das kannst oder nicht.“ Mit unseren grossen Rucksäcken fielen wir natürlich auf und alle Bergführer wussten schon Bescheid. Überall hiess es: „Ah eso son los parapentes“. Wir entschieden uns am Anfang den Skilift zu nehmen und bezahlten den stolzen Preis von 10 CHF gerne um uns die ersten 300 Höhenmeter auf lockerem Kiesbett zu ersparen. Ein weiterer Vorteil war, dass wir so früher oben waren und auch nicht so viele langsame Gruppen überholen mussten. Unser Führer legte ein angenehm schnelles Tempo vor, welches aber nicht alle Brasilianer in unserer Gruppe mithalten konnten. So waren wir am Schluss eine der ersten Gruppen auf dem Gipfel und konnten den Ausblick für eine Stunde relativ ungestört geniessen. Der Wind war zum Glück nur schwach und aus Westen, wo es gut möglich war mit den Gleitschirmen zu starten. Während dem Auslegen hatten wir schon ziemlich viele Zuschauer und als zuerst Eli und dann ich starteten, wurden wir von Jubelrufen begleitet. Darauf folgte ein fast halbstündiger Gleitflug zurück nach Pucon.

Edit: Kurze Zeit nach unserer Besteigung brach der Villarrica aus. Pucon musste grossteils Evakuiert werden. Der Villarrica warf Staub, Lava und Asche tausende Meter in den Himmel. Zum Glück wurde niemand verletzt!

Bist Du auch schon auf einen aktiven Vulkan geklettert oder wäre dir das zu gefährlich? Wir freuen wir uns über Deine Kommentare.

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Irrfahrten und Grenzerfahrungen auf dem Weg nach Pucon

Um per Bus von Bariloche nach Pucon in Chile zu kommen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder zuerst nach Osorno und dort Umsteigen nach Pucon, oder die viel schönere Fahrt über San Martin de los Andes.

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Einer der vielen Seen auf dem Weg nach San Martin de los Andes

Leider muss man dort aber eine Übernachtung einplanen, weil der Bus nach Pucon von da aus nur einmal am Tag und zwar um 6 Uhr morgens fährt. In der Hauptsaison in diesem touristischen Bergdorf eine günstige Unterkunft zu finden war verdammt schwierig. Nach langem herumirren entschieden wir uns für das letzte Doppelzimmer in einem Hostel, was uns 60 CHF kostete. Die einzige Alternative wäre ein Luxusbungalow von einem Hotel gewesen für 250 CHF pro Nacht. Nein, nicht die einzige Alternative. Es gibt etwas ausserhalb auch noch einen Campground und viele Backpacker schliefen einfach im, oder in der Nähe des Busterminals.

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Schlafende Backpacker an der Busstation von San Martin de los Andes

Am nächsten Morgen im Bus stellten wir fest, dass dieser in Junin de los Andes auch hält. Wir hätten also am Vortag auch dort nächtigen können, der Bus von Bariloche hatte dort auch angehalten. Das hatte uns im Ticketoffice aber niemand gesagt. Na ja, man kann nicht immer gewinnen. Dafür führte dieser zweite Teil unserer Reise durch den Lanin Nationalpark. Eine sehr schöne Strecke mit super Aussicht auf den grossen Vulkan Lanin.

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Der Vulkan Lanin

Dann kam für uns der zweite Grenzübergang nach Chile. Vom letzten Mal wussten wir, wie genau es die Grenzwächter mit Lebensmitteln nehmen und dass sie nicht zögern hohe Bussen zu verteilen wenn man nicht richtig deklariert. Also verpackten wir unseren Foodbag nicht zu tief im Rucksack und gaben auf dem Zollformular an, dass wir Lebensmittel dabei hätten. Brav stellten wir uns in die lange Schlange, um unsere Pässe abstempeln zu lassen. Als ich dem Zollbeamten nach der Durchleuchtung des ganzen Gepäcks das Formular zusammen mit dem Foodbag in die Hand drückte nahm er beides an sich und sagte nur: „Rucksack auspacken“ Na toll! Während die Beamten nun mit ernster Miene jedes Gewürz unter die Lupe nahmen, an jedem Tee Beutel schnupperten, aber erstaunlicherweise die 500 Gramm Milchpulver nicht beachteten, durfte ich mein Gepäck aus der Schutzhülle nehmen, und beide Drybags öffnen. Nach einem kurzen Blick in die vollgestopften Drybags entschieden sie sich, dass dies aber jetzt zu viel Arbeit wäre und mir wurde erspart alles auszupacken. Noch mal Glück gehabt. Als letzte stiegen wir wieder in den wartenden Reisecar ein und der fuhr umgehend weiter, über die staubige Strasse in Richtung unserer nächsten Destination.

Nationalpark Torres del Paine

Puerto Natales ist ein kleines Fischerdorf ganz im Süden von Chile. Hierhin sollten sich eigentlich keine Touristenmassen verirren. Aber sie sind hier, wie wir auch, weil Natales der Ausgangspunkt ist für den Besuch des Torres del Paine Nationalpark. Im Stadtkern wechseln sich darum auch die Schaufenster von Hostels, Restaurants und Outdoorshops ab.

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Alle Häuser in Natales sind mit Wellblech gebaut. Trotz der Kälte gibt es fast keine Isolation und nicht alle Räume werden beheizt! Kleine Farbtupfer im tristen Grau sind hier sehr willkommen.
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Was muss mit? Was nicht?

Wir bleiben lange genug in der Stadt, um Essensvorräte für acht Tage zu kaufen und einen wärmeren Schlafsack zu mieten. Dann sind auch wir auf dem Weg in den Nationalpark. Mit mehreren grossen Reisebussen werden drei mal am Tag hunderte Touristen in den Park gebracht. Die Massen verteilen sich im Park zum Glück gut, doch zuerst werden wir in das Ranger Büro gedrängt, wo wir den Eintritt in den Park bezahlen und die wichtigsten Regeln eingebläut bekommen: 1. Kein Feuer machen 2. Abfall wieder mitnehmen 3. Nicht den Pfad verlassen und 4. Wirklich kein offenes Feuer.
Bevor das Gebiet 1959 zum Nationalpark wurde, war es eine grosse Schaffarm und wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Seitdem es unter Schutz steht haben dafür leider einige unvorsichtige Besucher grosse Teile davon niedergebrannt. Deshalb ist auch kein offenes Feuer erlaubt. Kochen darf man auch nur an den dafür vorgesehenen Orten und mit Gaskochern. Wer ein Feuer macht oder für einen Waldbrand verantwortlich ist, wird mit heftigen Gefängnissstrafen belegt. Wir haben nur unseren Alkoholkocher dabei und dazu noch den falschen Brennstoff, weil in Natales anscheinend niemand Brennspiritus verkauft. Das lassen wir aber besser niemanden wissen. Ausserdem ist das Kochen mit diesem Kocher genau so sicher wie mit einem Gaskocher. Es sieht einfach etwas eindrucksvoller aus.

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Vor dem Start noch ein Bild mit den Torres im Hintergrund

So können wir schon bald unsere Rucksäcke schultern und uns auf den Weg zum ersten Camp machen. Zum Glück haben wir alles überflüssige im Hostel in Puerto Natales zurückgelassen, so sind die Rucksäcke nicht zu schwer. Wegen den starken patagonischen Winden und weil das Wetter hier in wenigen Minuten komplett umschlagen kann, blieben auch die Gleitschirme zurück. Wir werden also keine Abkürzungen machen können.

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Böhen über dem See. Definitv kein Flugwetter!
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Da kommt was angerollt
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Eine kleine Übersicht über den Park

Die verschiedenen Reiserouten im Park sind nach Buchstaben benannt welchen sie ähneln. Es gibt das „W“, das „O“ und das „Q“. Unser Ziel ist das „O“  oder auch der „Paine Circuit“ und wir beginnen mit dem weniger bevölkerten hinteren Teil des Parks. Der Weg von der Ecolodge bis ins Camp Seron ist 13 Km weit und ein guter, sanfter Einstieg für unseren ersten Tag.

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Noch locker genug Puste um die Klymit Schafmatte aufzublasen

Für den nächsten Tag haben wir uns mehr vorgenommen: Wir wollen das Camp Dickson überspringen und 30 Km und einige 100 Höhenmeter an einem Tag zurücklegen. Wir treffen nur selten andere Wanderer. Als wir einen ersten kleinen Pass überqueren, um auf die Rückseite der Berge zu gelangen, kriegen wir erstmal einen Vorgeschmack auf die starken Winde, die hier wehen können. Der See unten im Tal wäre der ideale Kitespot, wenn es nur nicht so kalt wäre. Hier sehen wir auch die Torres von der anderen Seite. Der Gegenwind begleitet uns den ganzen Weg bis ins Camp Dickson. Wir sind froh, dass wir dort kein Zelt aufstellen müssen. Nicht einmal zum Kochen gibt es Windschutz.

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Die Torres von hinten
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Einsame Rückseite des Parks

Nach kurzer Rast nehmen wir den Rest des Weges zum Camp los Perros in Angriff. Dieser zieht sich in die Länge und unsere Beine werden immer schwerer. Der letzte Teil führt steil eine Gletschermoräne hinauf. Der starke, kalte Gegenwind ist zermürbend. Nur kurz geniessen wir den Ausblick auf den Gletschersee. Es dunkelt schon ein, als wir das Camp erreichen. Müde schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke und sind uns nicht sicher ob wir am nächsten Morgen den John Gardner Pass in Angriff nehmen, oder einen Ruhetag einlegen werden.

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Anstrengende letzte Meter gegen den allgegenwärtigen Wind
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Noch bevor wir den Gletscher sehen konnten hörten wir von weitem das Rumpeln wenn er kalbte.

Zum Glück geht es uns beiden am nächsten Morgen gut und so brechen wir nach dem Früstück etwas später als die meisten anderen auf zum Pass. Zuerst führt der Weg durch den Wald und ist sehr schlammig. Das ändert sich aber schnell. Das Gelände ist hier auf 700 Metern über Meer schon hochalpin, keine Bäume wachsen und wir steigen über Schotter, Steine und Schnee zügig auf.

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Gummistiefel wären hier die richtige Wahl!

Oben angekommen erwartet uns nicht der vom Reiseführer angedrohte Blizzard, sondern verhältnismässig wenig Wind und eine klare Sicht auf den imposanten Grey Gletscher. Als wir zwei Kondoren beim soaren zusehen, bereuen wir schon fast, dass wir unsere Gleitschirme in Natales zurückgelassen haben, aber dann denken wir daran wie unvorhersehbar und wechselhaft das Wetter hier ist. Wir nehmen das Wettergeschenk gerne an und machen uns an den langen, kniezermarternden Abstieg über riesige Stufen und steile, rutschige Trampelpfade.

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Da lohnt sich der harte Aufstieg
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Kondore

Auf den Wegen im Park sind an vielen Orten Tafeln mit Infos zur aktuellen Strecke aufgestellt, die einem sagen, wie weit man vom nächsten Camp enfernt ist und auf denen ein Höhenprofil des Weges aufgezeichnet ist. Als wir zu einer Tafel kommen, welche uns sagt, dass wir noch 300 Meter absteigen müssen bis zum nächsten Camp sind unsere Knie schon am Ende. Um so erleichterter sind wir 15 Minuten später, als wir die ersten Zelte vom Paso Campground sehen. Da mochte wohl einer das Schild keine 300 Meter den Berg rauftragen (vielleicht werden chilenische Meter aber auch anders gemessen, z. B. mit einem Gummiband ;-))

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Alles hier im Park wird entweder von Menschen oder Pferden in die verschiedenen Camps transportiert. Das führt dazu, dass alles was man kaufen kann mehr nach Gewicht als nach Inhalt gewertet wird und allgemein sehr teuer ist. Wir haben aber sowieso alles dabei das wir brauchen und sind froh darum. Die Preise für einige Zeltplätze hier sind hoch genug. Nur die Camps Paso, Italiano und Torres sind gratis und bieten dafür sehr wenig Komfort. Wir bevorzugen natürlich diese. In jedem Camp und jeder Rangerstation muss man sich mit Namen, Nationalität und Passport Nummer einschreiben. Seither kennen wir diese Nummer auch Auswendig.
Die relativ kurze Wanderung vom Paso Camp zum Grey Camp bietet uns atemberaubende Ausblicke auf den Grey Gletscher aus immer wechselnden Perspektiven. Der Pfad ist sehr ausgesetzt und führt an steilen Felsflanken entlang und durch tiefe Bachbette. Er endet in einer Bucht  gespickt mit kleineren Eisbergen am Ende des Gletschers. Zusammen mit dem schönen Wetter ist es einer unserer top Abschnitte der ganzen Wanderung. Im Grey Camp geniessen wir nach 3 Tagen endlich wieder einmal eine warme Dusche. Von jetzt an befinden wir uns auf der „W“ Route und die Wanderer denen man begegnet haben sich vervielfacht. Es ist aber auch so noch immer sehr schön hier. Das Wetter wird langsam schlechter. Wolken ziehen auf und wir spüren einige Tropfen.

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Panorama Overkill…
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Mit dem Rucksack artet das ganze schon fast in Arbeit aus
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Das Gewackel ist nichts für Leute mit Höhenangst
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Kitsch

Das Paine Grande Camp überspringen wir. Es ist uns zu teuer und dem Wind schutzlos ausgesetzt. Stattdesen gehen wir bis zum Campamento Italiano. Es liegt geschützt im Wald und ist dazu noch gratis. Langsam trifft man auf den Strecken und am Abend in den Camps auf die gleichen Leute. Wir sind schon wie eine kleine Familie. Unser Alcoholstove hat bisher schon für viel Aufsehen gesorgt unter den Wanderern. Oft wurden wir beim kochen mistrauisch beäugt, aber hier wurde das erste Mal ein Ranger auf uns aufmerksam und inspiziert unseren Ofen von Nahem. Er ist nicht wirklich zufrieden mit unserer Erklärung, verbietet uns aber auch nicht damit zu kochen. Wir sollen einfach gut aufpassen. Das nächste Mal würden wir es so wie eine Gruppe junger Franzosen machen: Sie haben eine Gaspatrone gekauft, aber keinen Brenner gemietet und leihen sich jeden Morgen und Abend von anderen Wanderern einen aus. Auf der „W“-Tour wegen den vielen Leuten sicher eine praktikable Lösung. An unserem sechsten Tag hat das schlechte Wetter Überhand genommen und wir kämpfen auf dem Weg ins Valle del Frances mit starken Winden und Regen. Oben angekommen verziehen sich die Wolken aber für kurze Zeit und wir können einen Blick in die imposante Bergarena erhaschen. Beim Abstieg finden wir sogar einen geschützten Platz für das Mittagessen.

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geschafft
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Die Wolken verziehen sich für kurze Zeit
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Los Cuernos
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Einladender Strand, aber nicht so einladende Temperaturen

Die nächste Nacht verbringen wir im teuren Campamento Cuernos. Der Nationalpark besteht zum Teil aus Land, welches sich in Privatbesitz befindet. Die Camps in diesen Bereichen sind alle viel teurer, als die anderen. Die Türme, die dem Park seinen Namen geben, haben wir uns für unseren letzten Tag aufgespart. Erst müssen wir uns aber durch Wind und Regen ins Torres Camp hinaufkämpfen. Von da an ist es am nächsten Morgen noch eine Stunde und 300 Höhenmeter zum See am Fusse der Torres del Paine.

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Hexenhäuschen beim Torres Camp
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Unten Regen, oben Schnee

In der Nacht regnet es so stark, dass die grossen Tropfen von den Bäumen auf der Seite unter unserem Aussenzelt durch spritzen und das Innezelt dreckig und nass machen. Innen werden wir zwar nicht wirklich nass aber alles im Zelt hat Feuchtigkeit gezogen. Bei diesem Wetter sparen wir uns das rauflaufen im dunkeln, um den Sonnenaufgang zu sehen. Nach dem Morgenessen machen wir uns langsam auf den Weg hinauf. Auf halbem Weg brechen die Wolken auf und geben die Sicht auf die Torres für einige Zeit frei. Als wir oben ankommen, verschwinden sie gerade wieder im Nebel. Es schneit. Wir warten fast eine Stunde auf ein neues Wolkenloch, dann gehen wir zurück. Es ist zu kalt und die Torres werden wir heute sowieso nicht vor blauem Himmel sehen können.

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Flüsschen oder Wanderweg?
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Die Torres zeigen sich kurz
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Laguna Torres

Unten im Camp packen wir unser durchnässtes Zelt zusammen und machen uns an den Abstieg. Als wir nach 3 Stunden bei der Ecolodge ankommen, schliesst sich der Kreis unserer Route. Hier unten können wir unser Zelt in der Sonne trocknen, während die Berge noch immer in Wolken gehüllt sind. Verrücktes Wetter. Bald schon sind wir zurück in Natales. Wir freuen uns auf ein richtiges Bett und einen Tag ohne laufen mit schwerem Rucksack.

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Natur Kunst
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… 😉