Millau – Umweg mit Mehrwert

In den Anfängen meiner Gleitschirmkarriere schaute ich mir Unmengen von Flugviedos auf Youtube an. Eines davon spielte in Millau, mit seinem Wahrzeichen, dem Viadukt. Die Szenerie faszinierte mich und mir war klar: Da will ich auch mal fliegen. Nur wegen dieser fixen Idee in meinem Kopf und ohne wirkliche Vorstellung von den fliegerischen Möglichkeiten dort, entschieden wir uns für den doch beachtlichen Umweg auf der Strecke von der Düne nach Grenoble.

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Das Viadukt von Millau aus der Vogelperspektive

 

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Auf Umwegen zum Atlantik

Von Ost nach West durchquerten wir die Pyrenäen auf dem Weg nach Bilbao und der spanischen Atlantikküste. Dabei versuchten wir möglichst viele Fluggebiete zu besuchen. Das Wetter machte uns prompt einen Strich durch die Rechnung und so wurde ein ‚kleinerer‘ Umweg durch halb Spanien nötig.

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Wunderschöne Abendflüge in Alicante

 

Àger

Erst beim Eindunkeln erreichten wir den Landeplatz; An Fliegen war nicht mehr zu denken. Dafür hiess es nun im Dunkeln einen Schlafplatz suchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Auf allen Parkplätzen waren Campingverbote angebracht, der Campingplatz um diese Uhrzeit schon geschlossen und auch die Karte von furgovw.org konnte uns nicht weiterhelfen. Schlussendlich fanden wir am Ende eines haarsträubenden Feldweges, der eher für einen Geländewagen als unseren Peugeot 208 geeignet wäre, eine Parkbucht wo wir schlafen konnten.

Morgens fuhren wir mit der Navette der Flugschule zum Startplatz. Wir hatten den Tandemschirm dabei, damit Eli endlich einmal einen längeren Übungsflug machen konnte. Bei unserer Ankunft am Startplatz gegen Mittag war an Fliegen wegen dem starken Wind aber nicht zu denken. Die Locals versicherten uns, dass die Bedingungen am Nachmittag schwächer würden; wir warteten gemeinsam, doch erst kurz nach Sonnenuntergang nahm der Wind ein Bisschen ab, so dass wir einen Abgleiter ins Tal machen konnten.

Am nächsten Tag waren wir schlauer. Eine Stunde früher und mit den Solo-Ausrüstungen fuhren wir im eigenen Auto hoch. Sofort machten wir uns bereit und flogen los. Man konnte gut überhöhen, doch der starke Ostwind machte das Fliegen zur Qual. Die Thermiken waren zerrissen und wenn man der Kante entlang flog kam man immer wieder im Lee. Irgendwann wurde es mir zu dumm und ich landete oben auf der grossen Landewiese. Ein Blick auf das Wetter für die nächsten Tage zeigte nur noch stärkeren Ostwind. Nach einem Bad im nahen Stausee machten wir uns auf die Suche nach einem besser geschützten Fluggebiet, tiefer in den Pyrenäen.

 

Castejon de Sos

Kurz vor Ladenschluss der Flugschule trafen wir ein und erkundigten uns wegen Bergfahrten und Campingmöglichkeiten. Bergfahrten gebe es täglich aber Camping sei schwierig. Der Campingplatz in Castejon de Sos ist seit Jahren geschlossen und die Tandempiloten welche wild campieren, wurden schon des Öfteren von der Polizei aufgegriffen. Trotzdem versuchten wir unser Glück nach dem Eindunkeln etwas abseits eines Feldwegs. Nachdem der Bauer aber seine ganze Kuhherde durch unseren provisorischen Schlafplatz jagte und uns dabei noch komisch beäugte, entschieden wir uns vorsorglich eine andere Bleibe zu suchen. Nach einer zum Glück ungestörten Nachtruhe entschieden wir uns für ein Hike und Fly vom unteren Startplatz. Die 400 Höhenmeter waren schnell zurückgelegt. Noch schneller waren wir aber wieder unten am Landeplatz. Die nächsten Tage fuhren wir mit den Tandemunternehmen zum oberen Startplatz. Die 1000 Höhenmeter über unbefestigte Strassen werden mit Geländewagen zurückgelegt. Hier war es einfacher Thermik zu finden um länger zu Fliegen. Weite Flüge wurden aber auch hier durch den starken Ostwind erschwert. So flogen wir in der Umgebung von Gipfel zu Gipfel oder querten das Tal, landeten aber immer wieder am offiziellen Landeplatz. An einem Abend konnte Eli nach den kurzen Hüpfern in Organyá endlich einen langen Tandemflug machen und sogar etwas die schwache Abendthermik ausnutzen.

Auch hier wurde die Gewitterneigung immer grösser. Es ging zwar überall nur rauf, aber die bedrohlichen Wolken liessen uns nach einiger Zeit landen. Eine Stunde später gab es ein grosses Gewitter. Die Wettervorhersage verhiess nichts Gutes für die folgende Woche im Norden von Spanien, der Süden schien aber gut zu sein. Also entschieden wir uns für einen kleinen Abstecher nach Alicante. Die erste Etappe legten wir noch an diesem Abend zurück; schliefen auf einem Wohnmobil Stellplatz nahe der Autobahn.

 

Alicante

Wir gingen die zweite Etappe der Fahrt gemütlich an und erreichten am Nachmittag die Region von Alicante. Da unser Weg uns quasi am Fluggebiet El Palomaret vorbei führte, entschieden wir uns dieses gleich auszuprobieren. Prompt wollte uns die nette Lady von Google aber über eine steile, unpassierbare Bergstrasse führen. Nach einem Umweg waren wir dann aber am Startplatz. Die Bedingungen schienen uns sehr stark für so spät am Tag. Gegen 17 Uhr trafen dann aber einige Locals ein und schon bald nahm der Wind etwas ab. Dann konnten wir einen schönen Abendflug der Hügelkette entlang geniessen, mit wunderschöner Aussicht bis nach Alicante und zum Mittelmeer. Gelandet wir komfortabel oben am Startplatz. Nach einem anfänglichen teuren Fehlgriff fanden wir in El Campello oberhalb Alicante einen tollen und günstigen Campingplatz. Für eine ganze Woche richteten wir uns dort häuslich ein. Von den netten Dauermietern wurden wir sogleich in die Familie aufgenommen. Einer gab uns sogar einen Tisch und Stühle damit wir nicht am Boden sitzen mussten, sowie Platz in seinem Kühlschrank zur Mitbenutzung. Die Tage verbrachten wir am Strand und gegen Abend fuhren wir nach El Palomaret zum Fliegen. Leider waren die Bedingungen nie so richtig gut um beim Leuchtturm in Alicante an der Küste zu soaren. Irgendwann kamen die Gewitter dann bis runter nach Alicante, oben im Norden sah es aber noch einige Tage schlecht aus. Wir packten unsere sieben Sachen trotzdem und fuhren los.

 

Bilbao und San Sebastian

In Bilbao war das Wetter gar nicht so schlecht wie die Vorhersage. Wir besuchten das Guggenheim Museum und schlenderten der Flusspromenade entlang. Zum Übernachten fanden wir einen Campingplatz mit toller Aussicht auf den Sonnenuntergang. Eigentlich wäre ein Startplatz gerade oberhalb des Campingplatzes, aber leider befinden sich die Piloten im Streit mit den Landbesitzern und man darf dort nicht mehr fliegen. Auf dem nächsten Hügel gibt es einen weiteren Startplatz. Der Wind war allerdings stark und die Wolkenbasis tief. Ein einheimischer Pilot sagt uns man müsse einige Stunden warten, bis der Wind abnehme. Wir beschlossen die Zeit zu nutzen um nach San Sebastian zu gehen. Dort schlugen wir uns die Bäuche in einem Asia Buffet voll. Bei unserer Rückkehr war der Startplatz in den Wolken und der Wind hatte stark zugenommen. Ohne einen Flug an der spanischen Atlantikküste verlassen wir das Land, auf der Suche nach besserem Wetter.

 

5 Tipps für einen gelungenen Spanien Roadtrip

Mit einem Mietwagen waren wir einen Monat auf Roadtrip in Spanien. Dabei haben wir viel erlebt und noch mehr gelernt. Hier teilen wir 5 praktische Tipps mit dir, die deinen nächsten Roadtrip zum vollen Erfolg verhelfen.

Unser Micro Camper
Unser Micro Camper

 

1. Mit Musik fährt es sich leichter

Nimm deine eigene Musik mit. Der Radio Empfang ist oft miserabel und es gibt extrem viel Geschwafel auf allen Sendern. Mietautos haben oft einen USB Anschluss oder eine Buchse für ein Kopfhörerkabel. So kannst du dein Handy anschliessen.

 

2. Lass dir Zeit

Du kannst die horrenden Autobahngebühren sparen wenn du kleine Umwege in Kauf nimmst. Dies sind meistens sowieso die schöneren strecken. Plane nicht mehr als 400 Kilometer pro Tag und vor allem auch Tage ohne Fahrt ein.

 

3. Mieten statt eigenes Auto

Ein Roadtrip ist oft günstiger als das Reisen per Bus, Bahn oder Flugzeug. Autos kann man in Spanien sehr günstig mieten. Wir haben einen Australier getroffen welcher ein Auto für nur 7 Euro am Tag mietete und das im Juni. Achtung wenn man unter 25 ist zahlt man eine Zusatzgebühr für Junglenker von ca. 60 Euro. Flüge bis nach Barcelona oder Madrid findest du oft schon ab 100 Euro.




 

4. Achte darauf, wo du parkst

Wenn du das Auto parkierst, lasst keine Wertgegenstände zurück oder verstau sie wenigstens im Kofferraum. Wenn du Städte besichtigst, such dir Hotels mit sicheren Parkplätzen, oder Parkhäuser.

 

5. Sei versichert

Ein Unfall oder eine Panne kann dir deine Ferien ziemlich vermiesen. Sorge also vor und versichere dich und auch dein Auto!

Günstige Reiseversicherung von der Hanse Merkur*

Schweizer: ETI Schutzbrief vom TCS
Deutsche: ADAC

 


Diese Roadtrip Tipps gelten so natürlich für fast alle Länder in Europa.

Na, bist du schon am Planen? Oder warst du schon auf Roadtrip und kannst einen tollen Tip beisteuern? Lass es uns in den Kommentaren wissen.


 

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Ein langer Tag in Santiago de Chile

In Santiago de Chile sind wir wieder einmal eingeladen. Ein nettes Paar mit denen ich im Hostel in Pucon ein paar Minuten geredet habe schlug spontan vor, dass wir einige Tage in ihrem Haus nächtigen könnten. Luana und Juan-Carlos (er betont gerne, er heisse gleich wie der spanische König, spielt Tennis und ist grosser Fan von Roger Federer) sind um die 50 Jahre alt und ihre Kinder sind alle schon ausgeflogen. Sie hätten also reichlich Platz betonte Luana und gab mir ihre Adresse und Telefonnummer.
Jetzt, eine Woche später kommen wir in Santiago an. Begleite uns auf unserem ersten Tag in Chiles Hauptstadt.

Ich öffne die Augen und brauche ein paar Sekunden, um mich zu erinnern, wo ich bin.
Ach ja, im Bus nach Santiago. Das Licht ist an, wir werden wohl bald da sein. Draussen ist es noch dunkel. Ich schaue auf die Uhr. Kurz vor 5 Uhr morgens. Pünktlich. Diesmal wäre mir eine Verspätung nur recht gewesen. Obwohl die Fahrt neun Stunden gedauert hat, habe ich nicht viel geschlafen. Der Bus hält am Terminal an. Wir schnappen uns unsere Rucksäcke und setzen uns im noch dunkeln Terminal an einen Tisch vor einer Heladeria. Wir können unmöglich unsere Gastgeber so früh morgens überfallen. Ausserdem fährt die U-Bahn noch gar nicht.
Langsam kommt Leben in die Busstation. Wir holen uns Kaffee und Medialunas, ein Süssgebäck das an Croissants erinnert und doch ganz anders ist. Um 7 Uhr machen wir uns auf die Suche nach der nächsten U-Bahn Station und nehmen die Linie 1 bis zur Endstation „Los Dominicos“. Dort muss ich erst mal Google Maps bemühen um die 500 Meter entfernte Adresse zu finden. Dann stehen wir etwas verloren an einer Strassenecke. Google weiss mal wieder, wie so oft in Südamerika, nicht wo die Hausnummer genau ist. Wir auch nicht, da die Hausnummern hinter all den grossen (Elektrischen) Zäunen nicht ersichtlich sind. Ich rufe an, Luana streckt den Kopf aus dem Fenster, sieht uns und macht uns das Tor auf. Wir waren uns vorgängig nicht so sicher was wir von dieser sehr spontanen Einladung erwarten sollten, aber die nun folgende herzliche Begrüssung lässt unsere Zweifel schnell verfliegen.

Die beiden zeigen uns ihr Haus und unser Zimmer und erklären uns, wir könnten so lange bleiben wie wir wollen. Dann lassen sie uns in Ruhe auspacken und noch einige Stunden schlafen. Als wir danach erholt aufstehen und unsere Gehirne wieder fähig sind spanisch zu verstehen und zu sprechen, machen die beiden mit uns in Juan-Carlos‘ schickem BMW eine kleine Führung durch die Vororte und Hügel rund um Santiago.

 

Santiago hat einen hohen Lebensstandard und auch hohe Lebenskosten, was einem klar wird, wenn man die Millionenschweren Villen in den Hügeln sieht. Wir wollten uns diese dann näher anschauen, aber keine Chance schon einige Kilometer entfernt steht ein Wärterhäuschen, wo wir aufgehalten werden. Ganze Landstriche sind hier privat. Wir kennen das ja schon von anderen Orten. Wieder zuhause geniessen wir Almuerzo – Lunch – und lassen uns von Juan-Carlos auf der Karte die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt zeigen.

Dann machen wir uns auf den Weg den Stadtkern von Santiago de Chile zu Fuss zu entdecken. Das bedeutet zuerst wieder 20 Minuten in der heissen Metro Linie 1 fahren bis zur Station Santa Lucia wo die Bibliotheca National de Chile mit ihren eindrücklichen Säulen steht. Von dort laufen wir zur Kirche San Francisco. Hinter der Kirche beginnt ein schönes Quartier mit alten Häusern und Strassen aus Kopfsteinpflaster. Durch dieses Quartier laufen wir zum Cerro Santa Lucia, einem kleinen Hügel mitten in der Stadt. Diese grüne Oase besteigen wir und kommen oben in das Castello Hidalgo. Der Kontrast von grünen, alten Bäumen und neuen, glänzenden Hochhäusern lädt zum Fotografieren ein. Dann steigen wir wieder ab in die heissen Häuserschluchten. Bevor wir weiter zur Plaza des Armas gehen, gönnen wir uns in einem Café eine Erfrischung. In der Ursprünglichen Planung der Stadt im Jahre 1541 wurde die Plaza des Armas als Mittelpunkt und Versammlungsplatz eingeplant.  Jetzt sind wir mitten in der Einkaufsmeile wo sich Einheimische und Touristen aneinander vorbei zwängen. Viel zu viel Volk für uns, aber das ist der direkte Weg zum Mercado Central, wo wir vor allem die reichhaltigen Auslagen der Fischverkäufer bewundern. Vom Mercado Central ist es nicht mehr weit bis zum alten, stillgelegten Bahnhof. Die Gleise sind schon lange weg und der grosse, leere Raum wird für Ausstellungen und andere Events benutzt.

Es gäbe natürlich noch viel mehr zu sehen in Santiago, wir haben jetzt aber genug von der Hitze in der Stadt und machen uns auf zu einer Abend-Soaring Session im stadtnahen Fluggebiet „Black Park“. Erst um 23 Uhr sind wir wieder zurück und fallen müde ins Bett. Das war wirklich ein langer Tag.