Lima

Mit dem günstigen Bus von Soyuz von Paracas kommend, erreichten wir Lima abends im Dunkeln. Während die teuren Touristenbusse im Reichenviertel Miraflores anhalten, sind die Terminals der günstigen Busgesellschaften alle im Stadtteil La Victoria. Ein Quartier das von Reiseführern als eines der gefährlichsten Limas beschrieben wird. Direkt auf dem Gelände des Terminals nahmen wir uns ein Taxi das einigermassen offiziell aussah und liessen uns nach Miraflores fahren. Im Internet hatten wir vorher abgecheckt wo sich günstige Hostels finden lassen, aber die Preise dort schienen sich über Nacht vervielfacht zu haben. Um die Ecke fanden wir dann doch noch ein akzeptables Bett im Dorm für 25 Soles (9 US$).

Martin hatte schon einige Leute kennengelernt beim Startplatz von Miraflores mit denen wir am nächsten Morgen mit fahren konnten zum Fluggebiet Pachacamac etwas ausserhalb Limas. Leider hatten sie dann aber doch nicht genug Platz für alle, aber das Taxi kostete nicht allzu viel und einer der lokalen Piloten fuhr mit uns mit, um dem Taxifahrer den Weg zu weisen. Die 200 Höhenmeter zum Startplatz waren zu Fuss schnell zurückgelegt. In Pachacamac fliegt man in einer Mischung von thermischen und dynamischen Aufwinden. Wenn man genug hoch war um zum nächsten Hang zu queren war sogar ein mini Streckenflug möglich. Nach der Landung lernten wir David, einen lokalen Piloten kennen. Er hatte Platz im Auto um uns alle drei mit zurück nach Lima zu fahren. Beim Startplatz in Miraflores lud er uns aus. Der Wind war gut, viele Piloten schon in der Luft. Nach dem Registrieren inklusive zeigen der Lizenz (das erste Mal in meiner Kariere wo ich meinen Ausweis zeigen musste) und einer Einweisung in die lokalen Regeln und Besonderheiten ging es auch schon los. Nach dem Start flogen wir die Küste entlang zum Leuchtturm und in die andere Richtung bis zum Marriott Hotel. Die Aussicht über die Stadt war wirklich toll. Innert kürzester Zeit drehte dann plötzlich der Wind auf Süd. Nur wer das Glück hatte in der Nähe des Leuchtturms zu fliegen konnte sich noch halten. Weniger glückliche mussten sich einen Landeplatz an teils sehr schmalen Strandabschnitten suchen.

Lima war die letzte Station unserer Südamerika Reise. Die Zeit war extrem schnell vergangen und es hätte noch viel zu sehen gegeben. Den ganzen Norden von Peru hatten wir nicht gesehen. Wir wollten aber in den letzten Tagen nicht von Ort zu Ort hetzen und blieben in Lima. Dabei waren wir meist in Miraflores und nahmen es eher gemütlich. Einmal mussten wir unseren Laptop zum zweiten Mal reparieren lassen, weil die Leute in Bolivien gepfuscht hatten und er erneut nicht mehr funktionierte. Im Mercado Polvos Azules fanden wir in einem kleinen Kabäuschen einen Typen, der das Gerät komplett demontierte und das Mainboard untersuchte, bis er einen defekten Transistor fand. Nachdem er den ausgetauscht hatte war alles wieder in Ordnung. In einer kurzen Pause von meinem Auftrag reparierte er noch das Objektiv einer Kompaktkamera eines anderen Kunden. Ich war ziemlich beeindruckt! In der Schweiz wären beide Geräte direkt in den Müll gewandert.
Auf den Märkten war auch das Essen verhältnismässig günstig und wir genossen noch das eine oder andere Mal ein Ceviche und gegrillte Meeresfrüchte.
Die Nachmittage verbrachten wir oft am Startplatz an der Küste und warteten auf verlässlichen Wind zum Fliegen. Die Verhältnisse waren eher schwach, aber im Ganzen konnten wir immerhin an vier Tagen fliegen.
Am Sonntag vor unserer Abreise nahmen wir noch am Wings for Life World Run teil. Das Rennen findet an vielen Orten auf der Welt gleichzeitig statt und die Startgebühren werden vollumfänglich für die Wirbelsäulenforschung gespendet. In Lima war der Start um 6 Uhr morgens. Es gibt keine fixe Ziellinie, sondern ein Zielfahrzeug startet 30 Minuten nach den Läufern und fährt mit einer konstanten Geschwindigkeit von 20km/h bis es einen einholt. Da wir ausser einem längeren Trekking nicht trainiert hatten, waren wir nicht sicher, ob wir die ambitionierten Strecken, die wir uns vorgenommen hatten, schaffen würden. Trotzdem erreichten wir immerhin 11,5 km und 14,5 km, je 500 Meter weniger als wir uns vorgenommen hatten, womit wir ganz zufrieden waren. Allerdings konnten wir danach tagelang kaum mehr laufen vor lauter Muskelkater.

Viel zu bald kam dann unser letzter Tag in Südamerika. Die Rucksäcke waren gepackt, das Taxi zum Flughafen bestellt. Fünfeinhalb Monate waren wir hier unterwegs, tausende Kilometer und unzählige Stunden Busreise hatten wir erlebt. Viele wunderbare Orte haben wir entdeckt und doch wäre da noch so viel mehr gewesen. Jetzt geht es aber zuerst nach Barcelona und danach vier Monate mit dem Auto quer durch Europa. Wir freuen uns, unsere Freunde und Familie wiederzusehen, haben aber vom Reisen noch lange nicht genug! Ihr könnt euch noch auf viele weitere Berichte von uns freuen!

Arequipa und Colca Cannyon

Arequipa wird auch die weisse Stadt genannt. Dies weil die Häuser der Altstadt alle aus weissem, porösen Vulkanstein gebaut wurden. Auf einer Free Walking Tour an einem unserer ersten Tage dort konnten wir uns die architektonischen Meisterleistungen die an den alten Herrenhäusern und unzähligen Kirchen vollbracht wurden ausgiebig zu Gemüte führen. Dazu gab’s noch Einblicke in die lokale Küche, die Produktion von Lama und Alpaka Wolle und am Schluss ein Pisco Sour Tasting. Ein rundum gelungener Nachmittag. Sophie, Aless und Lucie waren gleichzeitig wie wir auch in Arequipa und wir verabredeten uns für den Abend um Sophies Geburtstag zu feiern. Wir waren etwas unschlüssig in welchem Restaurant wir essen gehen sollten, entschieden uns dann aber für das mit dem besten Happy Hour Angebot. Das Essen war aber auch super lecker. Zum Dessert lud uns dann eine Gruppe peruanischer Anwälte vom Nebentisch zu einer Runde weiterer Drinks ein. So ging die Nacht dann weiter bis wir mit ziemlicher Schlagseite zurück ins Hotel wankten, froh darum, dass das Stadtzentrum von Arequipa auch nachts sicher ist.

Eigentlich wollten wir vom 5800 Meter hohen Vulkan Misti nahe der Stadt fliegen. Allerdings müsste man Essen, Wasser für 2 Tage Zelt und Gleitschirmausrüstung bis zum Gipfel schleppen, oder eine geführte Tour buchen. Mit dem schweren Gepäck trauten wir uns den Aufstieg alleine nicht zu. Lust auf eine geführte Tour hatten wir auch nicht. Davon hatten wir in Bolivien genügend gemacht.
In der Umgebung von Arequipa gibt es zum Glück aber noch anderes zu sehen.
Der Colca Canyon ist eine der tiefsten Schluchten der Welt und lockt viele Touristen an, die zum Grund des Canyons wandern und in einer grünen Oase in ziemlich Luxuriösen Hotels übernachten, bevor sie nach ein oder zwei Tagen wieder zurück reisen. Die Wanderung muss wunderschön sein. Wir wollten aber lieber von den umliegenden Bergen Fliegen und so die Aussicht in den Canyon geniessen. Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir bis Cabanaconde und übernachteten in einem Hotel. Am nächsten morgen früh fuhren wir mit anderen Touristen zum Aussichtspunkt „Cruz del Condor“, wo man am Morgen immer Kondore beobachten kann. Im Internet hatte Eli von einem Typen gelesen der dort von etwas weiter oben geflogen sei. Er empfahl früh zu starten und nicht in den Canyon einzufliegen, weil er weiter unten sehr schmal wird und die Luft extrem turbulent. Bei der Ankunft am Aussichtpunkt wollte eine Frau von uns die 70 Soles einkassieren, die man für den Eintritt in den Canyon bezahlen muss. Dieses Ticket wäre dann auch 10 Tage gültig für die ganze Umgebung. Nach längeren Diskussionen zahlten wir schlussendlich nur den Preis für Peruaner von 20 Soles. Viel mehr hätten wir auch nicht dabei gehabt. Wir wanderten für eine Stunde die Bergflanke hinauf bis wir einen halbwegs akzeptablen Startplatz fanden. Zwischen den Büschen legten wir unsere Schirme aus. Zum Starten brauchten wir einige Versuche. Die Vegetation krallte sich hartnäckig an unseren Leinen fest. Zum Glück hält der KEA was aus! Da wir so früh starteten gab es auch noch keine nennenswerten Aufwinde und wir sanken recht schnell in Richtung Landeplatz. Als wir über die Kante des Canyons flogen und sich uns die Aussicht zum Grund auftat wurden wir uns erst der Ausmasse dieser Schlucht bewusst. Wir waren froh, konnten wir 100 Meter unter dem Aussichtspunkt auf den Feldern landen und mussten nicht am Grund nach Landeplätzen suchen.

Der Aufstieg zurück zum Aussichtspunkt wurde dann auch noch zum Abenteuer. Wir konnten den Pfad nicht finden und mussten gerade den steilen, steinigen Hang raufklettern. Ohne die Wanderstöcke wäre dies unmöglich gewesen. Oben an der Strasse warteten wir gerade mal 5 Minuten, bis uns eine nette Familie bei sich im Auto mitfahren lies. Im nächsten Dorf stiegen wir aus um uns etwas in den dortigen heissen Quellen zu entspannen. Während wir im warmen Wasser plantschten zog ein grosses Gewitter über die Schlucht und der Blitz schlug mehrmals ziemlich nahe ein. Zum Glück hatte das Thermalbad ein Dach über dem Becken, so fühlten wir uns halbwegs sicher. Die Heimreise machten wir in einem Minibus, weil die Reisebusse alle ausgebucht waren. An unserem Fahrer ist ein Formel 1 Star verloren gegangen. Er überholte alles und jeden, ob bei Nebel oder in unübersichtlichen Kurven. Schlussendlich waren wir froh, als wir heil wieder in Arequipa ankamen und aussteigen durften.

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Thermen mit Regendach

Tags darauf war Ostersonntag, wo in Arequipa jedes Jahr bei Sonnenaufgang die Cuemada de Judas, also die feierliche Verbrennung des Judas, stattfindet. Jedes Quartier feiert sein eigenes Ritual. Wir entschieden uns für die grösste und traditionellste Veranstaltung. Als wir um 6 Uhr morgens ankamen war gerade der Gottesdienst beendet und wir dachten schon gerade im richtigen Moment angekommen zu sein. Weit gefehlt. Bis zur Verbrennung vergingen dann noch mal zwei Stunden. Zuerst wurde die Statue der Jungfrau Maria in einer riesigen Prozession einmal um den grossen Platz getragen, danach hielt jemand eine Rede von 45 Minuten, wo er erzählte was alles schief läuft in Peru. Glaubt uns, da gibt es viele Dinge! Die eigentliche Verbrennung der Judasfigur war dann kurz aber heftig. Die mit viel Feuerwerk gefüllte Figur wurde von einem richtigen Sprengmeister angezündet und mit vielen Explosionen ging sie innerhalb 5 Minuten in Rauch auf. Die Leute Applaudierten ausgiebig und dann verzogen sich alle ziemlich schnell. Nicht von der grossen Party die uns versprochen wurde. Auf dem Weg zurück zum Hotel kamen wir noch in einem anderen Quartier vorbei. Dort schalte laute Musik aus den Strassen, die Leute waren am Tanzen und Bier trinken. Das war dann schon mehr so wie es uns erzählt worden war. Wir gesellten uns dazu und gönnten und auch einen Frühschoppen. Die Leute hatten definitiv schon länger gefeiert. Um 11 Uhr morgens konnten einige kaum mehr gehen. Es wurde eifrig in Hauseingänge gepinkelt und einige liessen sich das flüssige Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen. Eine gelungene Party halt. 😉

La Paz

La Paz liegt in einem riesigen Kessel am Rande eines Hochplateaus. Im Sonnenuntergang nähern wir uns der Stadt. Langsam beginnen die Lichter zu leuchten. Nach einer langen Fahrt entlang dem Rand des Kessels, taucht der Bus endlich in das Lichtermeer der Stadt ab.
Als wir aus dem Busterminal stolperten, verabschiedeten sich gerade zwei Polizisten voneinander. Wir haben viel darüber gelesen, wie unangenehm die Stadt als Tourist sein kann. Deshalb ergriffen wir die Gelegenheit beim Schopf und fragten den einen Polizisten, welchen Weg zum Hotel wir am besten einschlagen würden. Der Polizist meinte kurzerhand, er begleite uns ein Stück. Mit den Zeilen aus den Reiseführern im Hinterkopf setzten wir uns mit ihm gemeinsam in Bewegung. Als er uns dann zu erklären begann, wovor wir uns in La Paz in Acht nehmen sollen, löste sich unsere Anspannung allmählich in Luft auf. Wir hörten immer wieder, dass Touristen von als Polizisten verkleideten Dieben aufgefordert worden seien ihren Ausweis und ihre Wertsachen zu zeigen. Im Anschluss an diesen Scam, zu Deutsch Bauernfängerei, durften sie dann bei richtigen Polizisten eine Diebstahl Anzeige machen. Unser netter Begleiter betonte ausdrücklich, dass die Polizei nie einen Touristen auffordern würde sich auszuweisen, ausser natürlich es besteht ein echter Grund, wie Verdacht auf Drogenbesitz. Im Falle eines Scams solle man einfach nein sagen und weiter gehen. Die Aufforderung mit dem falschen Polizisten per Taxi auf den Polizeiposten zu fahren, solle man auch dankend ablehnen. Manche mögen sich jetzt denken, so dumm sei kein normaler Mensch. Leider scheint es aber immer wieder Leute zu geben, die genau mit dieser Masche übers Ohr gehauen werden.

Flügel ausbreiten

Rund um La Paz türmen sich einige Berge in die Höhe. So erstaunt es nicht wenig, dass wir auch hier ein paar Gleitschirmpiloten antreffen, die jede mögliche freie Minute aus der Stadt herausfahren, um die Welt aus der Vogelperspektive zu sehen. Wir haben unsere Ankunft zeitlich gut geplant. Es ist Freitag und am Wochenende treffen sich die Piloten des lokalen Klubs zum gemeinsamen Fliegen. Sie chartern immer einen Minibus mit Fahrer,der sie zum Startplatz fährt und sie später am Landeplatz wieder auflädt.

Am Landeplatz wird dann meist nach einem Flug noch etwas mit dem Schirm im Wind gespielt bevor alle ihre Sachen packen und gegen Mittag wieder im kleinen Vorort von La Paz gemeinsam Mittag essen. Sandra, eine der zwei weiblichen Pilotinnen in La Paz, fragte mich einmal auf dem Weg zurück zum Bus, wie lange denn mein längster Flug gedauert habe. Ich erinnerte mich an Pfingsten 2014, als ich meinen ersten richtigen Streckenflug gemacht habe. Ich erzählte ihr, dass ich damals fast sechs Stunden in der Luft war und dachte mir nichts dabei. Mit offenem Mund blieb Sandra stehen und schaute mich ungläubig an. Die Erklärung für ihr Erstaunen folgte postwendend. Sie sagte mir, dass sie nun schon fünf Jahre fliege, aber hier in Bolivien sei es kaum möglich länger als eine Stunde zu fliegen. Ihr persönlicher Rekord liege bei 20 Minuten. Ich meinerseits war erstaunt über die kurze Dauer der Flüge hier. Ich dachte bisher, dass wir einfach nicht die richtige Zeit im Jahr erwischt hätten, schliesslich war Ende Regenzeit und das Klima noch immer sehr feucht und zudem wechselhaft.

Tag des Meeres

Am 23. März feierten die Bolivianer den Tag des Meeres. Ohne die Geschichte zu kennen eine spezielle Tradition für ein Binnenland. Nimmt man aber die Geschichtsbücher hervor, fällt schnell auf, dass auf alten Karten Bolivien sehr wohl Meeranstoss hatte. Ende des 19. Jahrhunderts verlor Bolivien aber dieses Territorium im Salpeterkrieg an Chile. Faktisch ist Bolivien seit dann das einzige Land in Südamerika, das keinen Meeranstoss hat. Selbst Paraguay, das auch ein Binnenstaat ist, hat den Rio Paraguay, auf dem Waren im „eigenen Land“ bis zum Meer transportiert werden können. Bolivien zahlt an Chile eine Menge Geld, um Waren über den Seeweg zu transportieren. Die Sache ist ziemlich kompliziert. Eigentlich bestehen Verträge, die Bolivien den Zugang zum Meer via Chile zusichern, diese werden aber nicht wirklich eingehalten. Am Tag des Meeres wird also in Bolivien daran erinnert, dass die Situation mit dem Meeranstoss für das Land so nicht akzeptabel ist und verbessert werden muss (so die sanfte Version, fragt man einen Militaristen, hört sich das eher nach Territorialkrieg an). Zur Feier des Tages defiliert das Militär durch La Paz und wird von dabei von der Luftwaffe mit einer Airshow begleitet. Darum herum findet in der ganzen Stadt ein kunterbuntes Fest mit Ansprachen verschiedenster Politiker statt.

Regionalwahlen in Bolivien

Einige Tage nach diesem Fest fuhren wir mit dem Bus nach Rurrenabaque. Wie es uns dort erging, lest ihr hier. Noch vor unserer Abreise wurde uns ans Herz gelegt spätestens am kommenden Donnerstag oder Freitag mit dem Bus nach La Paz zurück zu fahren. Am Sonntag standen nämlich die Regionalwahlen an und deswegen dürfen Langstreckenbusse ab Samstag nicht mehr verkehren. In Rurre ergatterten wir die letzten vier Plätze in einem Bus. Vier deshalb, weil ja Sophie und Aless, die zwei Belgierinnen, auch mit uns unterwegs waren. Der Grund für die Verkehrsrestriktion besteht darin, dass Bolivianer zum Wählen in den Wahlkreis fahren müssen, in dem sie ihre Papiere haben. Wahlkreis wechseln ist beinahe unmöglich und mit unglaublich viel Papierkram verbunden. Deshalb müssen viele Bolivianer durch das halbe Land in ihr Heimatdorf reisen, um zu wählen. Da in Bolivien Wahlpflicht besteht, sind kurz vor den Wahlen die meisten Verkehrsmittel ausgebucht. Und die Verkehrsrestriktion für Langstrecken am Samstag vor den Wahlen dient wohl dazu, dass auch die Busfahrer in ihr Heimatdorf fahren können. Ab Samstag Nacht dürfen offiziell nicht einmal mehr Taxis verkehren.

Die Fahrt war nicht sehr erholsam und morgens um fünf strandeten wir ziemlich fertig in Villa Fatima, La Paz. Zum Glück war unsere Unterkunft, das Bacoo Hostel, äusserst flexibel, wenn es um die Check-in Zeit betraf. So bezogen wir um sechs Uhr morgens unser Bett und legten uns erst einmal schlafen.

Am Wahlsonntag war dann das Stadtbild in La Paz sehr ungewohnt. Dort wo sonst das Leben pulsierte und ungeduldige Verkehrsteilnehmer ausgiebig Gebrauch von ihren Hupen machten, herrschte Stille und gähnende Leere. Die Stadt war wie ausgestorben. Einige Kinder und Jugendliche ergriffen erfreut die Gelegenheit der freien Strassen und kurvten ausgiebig mit ihren Fahrrädern und Skateboards darauf herum. Für uns war es sehr eindrücklich zu sehen, wie eine Millionenstadt so menschenleer sein kann.

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So leergefegt präsentiert sich die sonst immer verstopfte Hauptstrasse durch La Paz an einem Wahlsonntag
Die Gondelbahnen von La Paz

Wie bereits erwähnt, befindet sich La Paz in einem riesigen Talkessel. Zwischen dem Vorort El Alto, der auf dem Hochplateau liegt, das die Stadt umgibt und dem tiefsten Punkt der Stadt liegen etwa 400 Höhenmeter. Die Strassen sind konstant überlastet und Platz für neue Strassen ist nicht vorhanden. Deswegen hat die Regierung beschlossen unter dem Namen „Mi Teleferico“ einige Seilbahnen zu bauen, die verschiedene Teile der Stadt miteinander verbindet. Pendler gewinnen dadurch sehr viel Zeit, da sie nicht mehr die ganze Strecke mit dem Bus, der im Stau steckt, zurücklegen müssen. Ende Mai 2014 wurde die erste Linie in Betrieb genommen. Bisher sind total drei Linien Rot, Gelb und Grün in Betrieb. In Planung sind weitere fünf Linien. Je nach Länge der Linie gibt es eine oder mehrere Zwischenstationen. Für Touristen bietet sich jetzt also neu die Möglichkeit die Stadt im Vorbeiflug zu erkunden und die Lebensräume der Bewohner aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben.

Zusammen mit Sandra machen wir an einem späten Nachmittag die Teleferico Rundfahrt. Los gingen wir etwa um halb fünf und die erste Linie, die wir bestiegen, war die Rote. Sie verbindet den nördlichen Teil ab Cementerio mit El Alto. Als wir schon fast die Bergstation in El Ato erreichten, machte uns Sandra auf etwas glänzendes in einem Felsspalt einer Klippe aufmerksam. Sie erzählte, dass vor einiger Zeit ein betrunkener Autolenker mit seinem Auto über die Klippe gestürzt sei und in der Felsspalte stecken blieb. Die Rettungskräfte versuchten anschliessend vergeblich Auto und Lenker aus der Spalte zu bergen.

Da Sonntag war, fand in El Alto der grosse Markt statt. Laut Sandra findet man hier alles, was man in den Läden der Stadt vergeblich sucht und mehr. Tatsächlich preisen die Verkäufer von Automotor Einzelteilen bis hin zu nagelneuen Küchenmaschinen und Kleidern alles an, was man sich denken kann. Sandra sagte, dass es noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre mit Touristen über diesen Markt zu schlendern. Damals war ein Präsident mit nordamerikanischen Wurzeln an der Regierung und die indigene Bevölkerung fühlte sich von ihm nicht gerecht behandelt. Da ein Grossteil der Bevölkerung in El Alto indigenen Ursprungs ist, reagierten sie jeweils sehr aufgebracht, wenn sie ein weisses Gesicht in ihrem Dorf antrafen. Offenbar endeten die Begegnungen meist damit, dass die weisse Person vom Pöbel übel zugerichtet wurde. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Dennoch ist Vorsicht geboten. Einen Teil der Strecke bis zur Bergstation der gelben Linie legten wir schliesslich doch mit dem Trufi zurück, nicht weil die Distanz zu weit gewesen wäre…

Auf der Fahrt ins Herz von La Paz konnten wir den Wandel der Häuser wunderbar sehen. Oben in El Alto zeigten die meisten Häuserfassaden ihre nackten Backsteine. Je weiter ins Stadtzentrum wir kamen, desto mehr Häuser waren verputzt und schliesslich sogar angestrichen. Die Ordentlichkeit der Bewohner wurde auch besser, je näher wir dem Stadtkern kamen. Als wir von der Gelben auf die grüne Linie wechselten, dunkelte es bereits ein. Diese beiden Linien teilen sich die Talstation. Die grüne Linie verbindet den Stadtkern mit der gutbetuchten Zona Sur. Hier kamen zu den schön gestrichenen Hausfassaden noch Pools und gestutzte Rasenflächen hinzu. Langsam begannen die Lichter der Stadt zu leuchten. Zusammen mit dem Mond ergab sich eine wunderbare Abendstimmung, die wir von hoch über den Dächern La Paz‘ bestaunen durften. Für uns war das eine sehr gelungene und auch empfehlenswerte Stadtrundfahrt. Einzig der Weg zwischen den Bergstationen der Roten und gelben Linie ist alleine als Tourist nicht sehr empfehlenswert. Wenn man aber einfach die Gelbe und grüne Linie fährt und an der Bergstation der Gelben linksum kehrt macht, besteht eigentlich kein Sicherheitsrisiko.

Höhenflug in Cochabamba

Cochabamba liegt ziemlich in der Mitte von Bolivien und hier ist auch der Mittelpunkt der Gleitschirmszene des Landes zu finden. An der sich gleich neben der Stadt auftürmenden Bergkette gibt es drei offizielle Startplätze und hier wurde der Landesrekord von 91 Kilometern geflogen. Wenn auch weder ganz legal noch ungefährlich, führt der Track doch mitten durch die Anflugschneise des lokalen Flughafens, wie uns Christian, ein lokaler Fluglehrer erklärte.

Wir hatten uns im Running Chaski Hostel einquartiert, übrigens das schönste Hostel, das wir in Südamerika bisher gefunden haben. Alles war brandneu, die Betten stabil, die Mattratzen bequem, Leselampen und Steckdosen bei jedem Bett und für jeden Gast ein grosses Schliessfach mit Steckdose innen. Dazu noch ein Top Frühstück. So waren wir gerne bereit den etwas höheren Preis von 75 Bolivianos zu bezahlen.
Wenn wir schon von gutem Service sprechen: Zum Fliegen wurden wir von Cristian am Morgen beim Hostel abgeholt. Hier in Bolivien läuft es so, dass man sich einen Minibus inklusive Fahrer für den ganzen Tag mietet. Der holt einen ab, fährt bis zum Startplatz und wartet bis man wieder gelandet ist um einen zum Mittagessen und danach wieder nach Hause zu fahren. Das kostet dann so zwischen 25 und 50 Bolivianos pro Person.

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Komfortabler Transport

An diesem ersten Flugtag flogen wir vom Startplatz Vinto. Die Starthöhe von 3700m entsprach auch gleich der Wolkenbasis. Diese stieg aber schnell an und so konnte ich mich bald aufmachen die nähere Umgebung zu erkunden. Westlich vom Startplatz liegt die Abflugschneise des Flughafens, darum machte ich mich auf gegen Osten, gegen den vorherrschenden Wind. Die Luft war sehr unruhig und dass ich immer durch das Lee der vorgelagerten Kanten fliegen musste um weiter zu kommen machte es auch nicht besser. Eine grosse Talquerung war unmöglich zu schaffen mit der vorhandenen Basishöhe. Darum drehte ich um und landete bei den anderen am offiziellen Landeplatz. An Schirmhandling und Landeeinteilung auf einer Höhe von 2800m muss man sich erst mal gewöhnen und so war die Landung eine Harte, wenn auch dank dem Fehler verzeihenden KEA von Sky Paragliders auf den Füssen.
Es sei schwierig von diesem Startplatz aus Strecke zu fliegen wegen dem immer vorherrschenden Gegenwind erklärte mir Crisitian, aber das nächste Mal würden wir einen besseren Startplatz aussuchen und zusammen auf Strecke gehen.

Am Abend vor diesem Streckenflugtag stiess Martin wieder zu uns. Obwohl er mit dem Motorrad unterwegs ist und eine andere Route fährt als wir treffen wir immer wieder aufeinander. Er war auch heiss aufs Fliegen und die Wettervorhersage sah gut aus.
Am Morgen dann die Ernüchterung. Die Wolkendecke war geschlossen und hing zu tief. Wir gaben die Hoffnung nicht auf. Cristian holte uns wieder ab. Er hatte sogar Funkgeräte für alle dabei. Bei der Landeplatzbesichtigung sah das Wetter schon etwas besser aus. Die Wolkendecke war aufgerissen und die Basis stieg. Die Sonneneinstrahlung war aber nicht nur gut für uns. Als wir am Startplatz bereit standen zog in einigem Abstand die erste Regenzelle vorbei. Wir warteten ab und liessen einige Regenschauer passieren, eine mitten über den Startplatz. Wir wollten schon wieder zusammenpacken und runterlaufen – safety first – als auf einmal weit und breit kein Regen mehr zu sehen war und die Wolken freundlicher aussahen. Schnell starteten wir zu einem kurzen Abgleiter. Diesmal war auch die Landung ganz sanft. Eine halbe Stunde später beim Mittagessen waren wir uns einig: Man kann nicht immer Gewinnen aber ein kurzer Abgleiter ist besser als kein Flug!