Bitte links halten – Great Ocean Road

Einer der schönsten Scenic Drives Australiens liegt in der Nähe von Melbourne. Die Great Ocean Road schlängelt sich über 243 Kilometer entlang der Südküste und bietet viel Kurvenspass und spektakuläre Aussichten von den steil abfallenden Klippen auf raue See und feine Sandstrände.

12? Apostel Great Ocean Road, Australien

Sicht auf die verbleibenden Apostel

 

Um die 7 Millionen Touristen besuchen dieses Highlight jedes Jahr. Kein Wunder, dass es da an manchen Punkten etwas eng werden kann. Gerade für Autofahrer ist es nicht einfach die ungeteilte Aufmerksamkeit der Strasse zu widmen, wo sie hin gehört. Dazu kommt, dass viele Touristen sich direkt am Flughafen ein Auto mieten und als erstes die Great Ocean Road fahren. Dies erklärt dann auch die Schilder überall am Strassenrand, auf denen steht: “Drive on the left side in Australia”. Guter Tipp, links fahren nicht vergessen!
Genau so gefährlich wie potentielle Geisterfahrer sind jene, die von der Aussicht so überwältigt sind, dass sie in unübersichtlichen Kurven auf Schritttempo abbremsen oder gar ganz anhalten.
Wir fuhren darum immer schön vorsichtig und wechselten uns am Steuer ab, so dass wir beide etwas von der tollen Aussicht hatten.
Wer sich nach diesen Informationen nicht mehr auf die Strasse wagt, dem sei der Great Ocean Walk empfohlen. Diese Fernwanderung führt einen während acht Tagen über einen 100 Kilometer langen Küstenabschnitt von Apollo Bay bis zu den 12 Aposteln. Weitab vom Touristenstrom wandert man von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Geschlafen wird im Zelt auf, allerdings nicht ganz günstigen, Campingplätzen.

 

Wetter(un)glück

Ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen zog zu dieser Zeit über die Südküste Australiens und brachte der Region Melbourne dunkle Wolken, starke Winde und vor allem eisige Temperaturen! Von wegen Sommer auf der Südhalbkugel. Mit Daunenjacke und zugezogener Kapuze stiegen wir bei unserem ersten Halt aus dem Wagen.
Hier in Bells Beach waren Florian und Katrin vor zwei Tagen noch geflogen. Heute war daran wegen den Sturmböen nicht zu denken.
So hatten wir mehr Zeit für Sightseeing. Nach kurzer Fahrt hielten wir in Aireys Inlet und liefen zum Leuchtturm. Von dort aus kann man neben dem gut erhaltenen, historischen Leuchtturm auch die Aussicht über beide Buchten geniessen.
Auf der Weiterfahrt machten wir einige Stopps bei den vielen Parkbuchten. Es ist schwierig die Faszination dieser Küstenabschnitte in Worte zu fassen. Wir könnten jedenfalls stundenlang die Aussicht aufsaugen. Das stürmische Wetter mit den dunklen Wolken hat unserer Meinung nach das Panorama eher noch spannender gestaltet. Die Türkisfarben des Meeres kommen so viel besser zur Geltung. Am besten, wir lassen Fotos sprechen.
In Lorne trafen wir wieder auf Florian und Katrin.
Hier hatte es auf einem Parkplatz am Strand sogar eine Umkleide mit warmen Duschen. So eine Gelegenheit konnten wir uns bei dieser Kälte natürlich nicht entgehen lassen. Bei den Männern fehlte zwar die Tür an der Duschkabine, aber wir sind nicht mehr zimperlich wenn es ums Duschen geht.

 

 

Unterkunft

Wie immer war es schwierig an einem so touristischen Ort einen gratis Übernachtungsplatz zu finden. Dank der Wiki Camps App wurden wir aber auch hier fündig. Von Lorne mussten wir ca. 20 Minuten ins Landesinnere fahren. Mitten in einem Eukalyptuswald konnten wir parken und uns häuslich einrichten. Morgens bekamen wir noch Besuch von einem hungrigen, roten Vogel, der uns aus der Hand frass.

 

Schlafplatz im Eukalyptuswald

Schlafplatz im Eukalyptuswald

 

Der Roadtrip ging weiter. Im Konvoi fuhren wir nun auf der gewundenen Strasse Richtung Westen. Unglaublich, wie abwechslungsreich so eine Küste sein kann. An einem besonders schönen Aussichtspunkt trafen wir auf eine grössere Gruppe junger Touristen, die sich gegenseitig versuchten mit dem besten Bild zu übertrumpfen. Dazu stiegen sie sogar auf die Steinmauer direkt am Abgrund und warfen sich in dutzende lustige Posen. Katrin hat sie mit ihrem Cliffhanger dann aber alle übertroffen.

 

Cliffhanger

Cliffhanger – keine Angst, da gehts natürlich nicht wirklich runter 😉

 

Einmal hielten wir an einem Steinstrand, wo hunderte kleine Steintürmchen standen in den verschiedensten Formen und Grössen. Wir liessen es uns nicht nehmen unsere eigenen Spuren in Turmform zu hinterlassen. Dann besuchten wir einen Waldabschnitt gleich neben der Strasse, wo man immer Koalas beobachten kann. Tatsächlich konnten wir einige in Astgabeln hängen sehen. Tagsüber sind sie aber nicht sehr aktiv.
Eine Enttäuschung war der Cape Otway Leuchtturm. Wir waren extra von der Strasse abgebogen und hatten einen 20 Kilometer Umweg in Kauf genommen, nur um zu sehen, dass man dort 20 AU$ Eintritt bezahlen müsste, um aufs Gelände zu kommen. So viel war uns das nicht wert. Auf dem Rückweg hatten wir dafür das Glück einen Koala mit Baby auf einem ganz niedrigen Ast von Nahem zu beobachten. Am Shipwreck Beach liefen wir hunderte Stufen runter zum Strand und hatten Glück, dass Ebbe war. Nur dann kann man die Wrackteile sehen.
Gegen Abend erreichten wir die ‘Hauptattraktion’; Die 12 Apostel. Wobei man sich schwer tut 12 dieser aus dem Wasser ragenden Gesteinsformationen zu finden. Wir zählten nur Acht. Die Erosion hat wohl schon einige davon auf dem Gewissen.

 

Es dunkelte schon ein, als wir in Port Campbell ankamen. Mangels anderer Optionen stellten wir unsere zwei Campervans auf einen Parkplatz neben einem Spielplatz, wo schon andere standen. Erst hatten wir minimale Bedenken wegen den zwei grossen Schildern mit der Aufschrift ‘NO CAMPING’, dann waren wir aber zu müde, uns darum Sorgen zu machen. Glücklicherweise wurden wir nicht mitten in der Nacht von einem Ranger geweckt und vertrieben.

 

 

Selfie Wahnsinn?

Von Port Campbell fuhren wir noch zu der bekannten London Bridge. So heisst diese Gesteinsformation, weil sich durch die Erosion eine Brücke vom Festland auf eine kleine Insel im Meer bildete. Touristen konnten über diese Brücke raus auf die Insel laufen. Bis sie einmal einstürzte und die gestrandeten Menschen mit dem Helikopter gerettet werden mussten. Was man nicht alles in Kauf nimmt für ein gutes Bild.

 

London Bridge - früher war sie auf der linken Seite mit dem Festland verbunden

London Bridge – früher war sie auf der linken Seite mit dem Festland verbunden

 

Irgendwo habe ich vor kurzem gelesen, dass Weltweit pro Jahr mehr Menschen beim Selfie machen umkommen, als bei Hai Angriffen. Wir glauben dies sofort, haben wir doch auf unserer Reise unzählige Turisten gesehen, die auf der Jagd nach dem besten Bild/Selfie auf Mauern oder über Zäune klettern, ohne zu schauen über Strassen rennen und sich an Abgründe heran wagen. Einen Hai hingegen habe ich auch an den vielen australischen Stränden glücklicherweise nie gesehen.

 

Wie weiter?

Wer die ganze Great Ocean Road abgefahren hat, kann weiter in westlicher Richtung fahren oder wieder zurück nach Melbourne. Die meisten nehmen für die Rückfahrt die Autobahn im Landesinneren. Es war aber ein super schöner Tag mit strahlend blauem Himmel, also entschieden wir uns die spassige Kurvenstrecke wieder zurück zu fahren. Auf dem Rückweg hatten wir Zeit auch kleinere Attraktionen wie einen schönen Wasserfall zu besichtigen. Auch bei schönem Wetter war das Panorama von den verschiedenen Aussichtspunkten super.

Wieder am Anfang der Great Ocean Road angekommen kauften wir uns in Geelong eine leckere Käseplatte und genossen diese zusammen mit einem guten Wein mit Aussicht auf die Bucht von Melbourne. Um 21 Uhr kamen zwei Sicherheitsbeamte vorbei und teilten uns mit, sie müssten den Parkplatz nachts schliessen, es sei aber kein Problem wenn wir bleiben wollten. Wir hatten sowieso vor dort zu schlafen und konnten so bis 7 Uhr in der Früh ruhig und ohne Lärm schlafen. Gleich neben dem Parkplatz gab es sogar ein Schwimmbad mit warmen Duschen. So lässt es sich leben.

 


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