Bright – Australiens Alpen

Bright ist so etwas wie das Interlaken von Australien. Nur ohne See. Und mit weniger hohen Bergketten. Aber mindestens so schön.

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Historisches Haus auf Mount Hotham

 

Als ausländischer Gleitschirmflieger kennt man in Australien vor allem das Fluggebiet in Manilla. Dass es so etwas wie ein alpines Fluggebiet gibt, davon erfährt man erst, wenn man bei heimischen Piloten nachfragt. Das erste Mal von Bright hörten wir auf einer Sesselbahnfahrt in Le Grand Bornand. Wir sassen mit einem australischen Gleitschirmpiloten auf dem selben Sesseli und liessen uns von seinen glänzenden Augen davon überzeugen, dass sich eine Fahrt in die Alpen Australiens bestimmt lohnen würde.

Nun denn, da sind wir. Das Dorf ist irgendwie heimelig. Die Häuser kommen in einem Stil zwischen Chalet- und frühem Siedler bau daher. lässt man den Blick etwas schweifen, schlägt er schon lange vor der bisher gewohnten Distanz zum Horizont an Hindernissen an. Ungewohnt. Was ist das? Echt jetzt? Ein Berg der höher reicht als die Baumgrenze? Wow, tatsächlich. In Bright gibt es nackte Felswände.

Wild campieren

Wer in Bright wild campieren will, muss sich clever verstecken. Wir fanden ein lauschiges Plätzchen etwas Ausserhalb des Dorfes an einem Flüsschen. Auf dem Parkplatz am Landeplatz begegneten wir jeden Morgen einer Dame, die offensichtlich in ihrem Auto wohnte. Kalte Duschen und Grillstellen gibt es im Stadtpark, vom örtlichen Lion’s Club gesponsort. Eine wirklich feine Sache. Für all jene, die lieber im Dorf verweilen gibt es unzählige Übernachtungsmöglichkeiten vom Hotel bis zum Campingplatz. Dieser wird von den lokalen Gleitschirmpiloten bevorzugt besucht, da er in unmittelbarer Nähe zum Landeplatz liegt. Sie nennen ihn liebevoll “Camp Crusty”. Ein Blick auf die Anlage verrät auch warum: Der ganze Platz sollte mal einer umfassenden Renovation unterzogen werden.

 

Paragliding in Bright

Frohen Mutes fahren wir zum Landeplatz und machen uns über die örtlichen Regeln fürs Fliegen schlau. Der NEVHGC, der das Fluggebiet betreut, verlangt auch hier von Besuchern eine temporäre Mitgliedschaft. Na dann mal los. Zum Glück sind wir zur rechten Zeit angekommen und können schon bald mit einigen lokalen Piloten über die Schotterstrasse zum Startplatz fahren. Die Höhendifferenz zwischen Mystic und dem Landeplatz ist mit 320 m zwar nicht gewaltig und könnte gut auch zu Fuss erklommen werden. Das macht hier aber niemand. Weshalb, erfahren wir einige Tage später am eigenen Leib. Mehr dazu lest ihr weiter unten.

Da wir einige Tage in Bright verweilten, waren wir auch mehrmals dort fliegen. Das Fluggebiet auf dem Mount Mystic bietet einen grosszügigen Startplatz mit einer Komposttoilette. Die Landemöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Startplatz sind divers, wenn auf mitunter durch den Talwind etwas turbulent. Wir hatten beide grossen Spass daran mal wieder Dreiecksflüge zu machen, nach den Oneway Strecken in Manilla eine willkommene Abwechslung. An einem der besten Tage fand sich Moritz nach einer Talquerung mit dem Gleitschirm am Fuss des Mount Buffalo wieder. Tief versuchte er an einer bewaldeten Kante eine Thermik zu finden. Ein besorgtes Adlerweibchen machte ihm dann aber einen Strich durch die Rechnung. Sie attackierte den Schirm zwar nicht mit ihren Klauen, flog aber warnend auf Moritz zu und gab ihm so zu verstehen, dass sie in diesem Revier der grösste geduldete Vogel sei.

 

Hike & Fly auf den Mt. Mystic

Eines schönen Morgens packte uns die Wanderlust. Wir beschlossen den Mount Mystic zu Fuss zu besteigen. Neben der Schotterstrasse, auf der wir regelmässig hochgefahren waren, gab es noch die Downhill Strecke, die den Berg gerade hoch führte. Was wir uns bei unserem Abmarsch nicht überlegt hatten war, dass die Strasse auf der Ostflanke verlief und daher schon früh morgens der prallen Sonne ausgesetzt war. Der Weg war sehr steil und forderte seinen Tribut. Gut verschwitzt erreichten wir etwa zwei Stunden später den Startplatz. An fliegen war nicht zu denken. Als wir ankamen, bereiteten sich gerade die Deltapiloten zum Starten vor, ein Zeichen, dass der Wind für unsere Tücher zu stark ist. Wir warteten bis zum späteren Nachmittag und genossen unseren wohlverdienten aber leider kurzen Flug ins Tal.

 

Wandern in der Umgebung

Katrin und Florian trafen just in dem Moment in Bright ein, als der Wind für einige Tage keine Flüge zuliess. Wir unternahmen deshalb einige Wanderungen in den umliegenden Bergen. Tag eins zog uns in den Mount Buffalo Nationalpark. Wir machten eine kurze Wanderung zum Aussichtspunkt oben auf dem Mount Buffalo. Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zum Underground River Track. Dort angekommen beschlossen wir aber aus Sicherheitsgründen wieder umzudrehen. Wir hatten keine Ahnung vom Verlauf des Weges und Taschenlampen und wasserdichtes Gepäck hatten wir auch nicht dabei.

Den nächsten Tag widmeten wir dem Alpine National Park. Wir fuhren etwas weiter als Hotham und parkten unsere Vans am Anfang des Cobungra Ditch Walking Track. Als erstes besuchten wir die Überreste der Brandy Creek Gold Mine. Danach folgten wir den alten Wassergräben, die von den Siedlern gebaut wurden, um das zum Goldgraben nötige Wasser in die Mine zu führen. Der Weg war sehr beschaulich und überhaupt nicht anstrengend, da wir fast keine Höhenmeter bewältigen mussten. Bei Big Spur verliessen wir die eigentliche Route und wanderten über die Abkürzung zurück zur Great Alpine Road. Der Wind bliess den ganzen Tag sehr stark und wir waren froh, führte der Weg durch eher offenes Gelände. Eukalyptus Bäume sind bekannt dafür, dass sie ihre Äste ohne Vorwarnung fallen lassen und diesem Risiko wollten wir uns nicht zu lange aussetzen. Nur am Ende der Wanderung führte der Weg schliesslich durch ein Waldstück. Wohl war uns dabei nicht.

Neben diesen Wanderungen bietet Bright und Umgebung noch viele weitere Möglichkeiten die Sohlen ab zu wetzen. Die wohl ausdauerndste Möglichkeit bietet mit 650 km der Australian Alps Walking Track. Langweilig wir einem bei guten Wetter hier nicht. Bei schlechtem Wetter lockt die örtliche Brauerei zum Verweilen oder zu einer Tour. Wer sich dennoch bewegen möchte, kann sich im Hallenbad oder im angrenzenden Fitness austoben. Wir nutzten die Einrichtung, um mal wieder die Haare mit warmem Wasser zu waschen und eine Zeit lang dem doch eher frischen Wetter zu entfliehen.

 


Wusstest du, dass Australien alpines Gelände hat? Warst du auch schon einmal da? Welches sind deine Tipps für Besucher, die auch dort hin wollen? Schreib es in einen Kommentar.

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